Ausland

Streit um Koma-Patientin in Italien dauert an

Donnerstag, 9. Oktober 2008

Rom – Der Rechtsstreit um das Leben der italienischen Koma-Patientin Eluana Englaro geht in eine neue Runde: Das Verfassungsgericht wies nach Angaben der italienischen Medien vom Donnerstag einen Einspruch des Parlaments gegen ein Gerichtsurteil zurück, wonach die künstliche Ernährung für die seit 16 Jahren im Koma liegende Italienerin eingestellt werden darf.

Nach Auffassung der Parlamentsmehrheit hatte das Gericht nicht das Recht, in dem Fall zu entscheiden, weil die Frage in die Kompetenz des Gesetzgebers falle. Die Verfassungshüter sahen in dem Fall hingegen keinen Kompetenz-Konflikt. Sie schlugen den Abgeordneten jedoch vor, das gegenwärtige Sterbehilfe-Gesetz zu ändern, wenn sie es für nötig hielten.

Ein Mailänder Gericht hatte Eluanas Vater Anfang Juli Recht gegeben und gestattet, die Behandlung seiner Tochter zu beenden. Die heute 36-Jährige war 1992 nach einem Autounfall ins Koma gefallen und ist seitdem nicht mehr aufgewacht. Gegen das Urteil legte die Mailänder Staatsanwaltschaft Berufung ein. Über den Fall entscheidet nun das höchste italienische Berufungsgericht am 11. November.

Der Fall weckte in Italien Erinnerungen an den Sterbehilfe-Vorkämpfer Piergiorgio Welby, der vor zwei Jahren eine heftige Debatte um die Sterbehilfe ausgelöst hatte. Welby, der seit seinem 18. Lebensjahr an einer unheilbaren Krankheit litt und fast zehn Jahre lang durch künstliche Beatmung am Leben gehalten wurde, hatte vor Gericht vergeblich um sein Recht auf Sterbehilfe gekämpft. Im Dezember 2006 verhalf ihm schließlich ein Arzt zum Tod und schaltete sein Beatmungsgerät ab.

In Italien sind sowohl aktive als auch passive Sterbehilfe verboten. © afp/aerzteblatt.de

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