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Weiteres Gen für die androgenetische Alopezie lokalisiert

Montag, 13. Oktober 2008

London/Bonn – Ein bisher unbekanntes Gen auf dem Chromosom 20 erhöht bei Männern das Risiko auf einen vorzeitigen Haarausfall. Dies berichten zwei Forschergruppen in Nature Genetics (2008; doi: 10.1038/ng.228 und ng.255). Männer westeuropäischer Herkunft (Kaukasier) haben ein siebenfach erhöhtes Risiko auf eine androgenetische Alopezie, wenn sie Träger dieses Gens sowie eines weiteren bereits bekannten Gens auf dem X-Chromosom sind. Es dürfte aber noch weitere Gene geben.

Die androgenetische Alopezie, an der etwa 40 Prozent aller Männer (und auch Frauen, wenn auch weniger gut erkennbar) leiden, ist zu 80 Prozent angeboren. Vor zwei Jahren hatte ein Forscherteam um Axel Hillmer vom Bonner Forschungszentrum Life&Brain das erste Alopezie-Gen gefunden (Am J Hum Genet. 2005; 77: 140-148). Es handelte sich um eine Variante im Gen für den Androgenrezeptor (AR), was die stärkere Expression bei Männern plausibel macht.

Das Gen für den AR befindet sich auf dem X-Chromosom, was erklärt, dass Männer in puncto Haarausfall oft nach ihrem Großvater mütterlicherseits schlagen. Das jetzt gefundene Gen befindet sich auf dem Chromosom 20. Es wird also von der Mutter oder dem Vater vererbt und könnte jene Fälle erklären, in denen die Söhne die Alopezie von ihrem Vater geerbt haben.

Entdeckt wurde es einmal von der Bonner Arbeitsgruppe um Hillmer, die eine genomweite Assoziationsstudie an 296 Personen mit androgenetischer Alopezie und 347 Kontrollen durchführte. Dabei wurden knapp 500.000 Genschnipsel (korrekt: Single Nucleotide Polymorphism oder SNPs) zwischen beiden Gruppen verglichen. Auffällig war eine Häufung des SNP “rs2180439” auf dem Chromosom 20p11 bei den von Haarausfall betroffenen Personen.

Zum gleichen Ergebnis kam die Arbeitsgruppe um Tim Spector vom King’s College London, der 1.125 Männer mit androgenetischer Alopezie und 1.650 Kontrollen verglich, die zudem aus vier unterschiedlichen europäischen Regionen (Island, der Schweiz, den Niederlanden und Großbritannien) stammten, was eine Generalisierung zumindest für die ethnische Gruppe der Kaukasier sehr wahrscheinlich macht.

Auf welchem Gen sich “rs2180439” befindet, konnte keine der beiden Gruppen feststellen. Genomweite Assoziationsstudien können genetische Merkmale nur lokalisieren, nicht aber identifizieren. Dies bleibt zukünftigen Forschungsanstrengungen überlassen.

Nach Schätzungen der Forscher haben 14 Prozent aller Männer beide Merkmale (auf Chromosom 20 und dem X-Chromosom). Ihr Risiko auf eine androgenetische Alopezie ist um den Faktor sieben erhöht. Ein Gentest dürfte dennoch vorerst nicht sinnvoll sein, wenn bewiesen wäre, dass eine frühzeitige Therapie die Ausprägung des Merkmals abschwächen könnte. 

Die Forscher vermuten, dass es noch weitere Gene für den vorzeitigen Haarverlust gibt. Die Bonner Gruppe sucht derzeit Probanden für weitere Studien. Teilnehmen können Männer unter 40 Jahren mit weit fortgeschrittenem Haarausfall. © rme/aerzteblatt.de 

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