Medizin

Sterbehilfe: Depressionen und Ängste motivieren Todeswunsch

Montag, 13. Oktober 2008

Portland – Jeder vierte Patient, der in Oregon um eine Sterbehilfe nachsucht, leidet unter Depressionen, die medizinisch behandelt einen Sterbewunsch unter Umständen vermieden hätten. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Studie im britischen Ärzteblatt (BMJ 2008; 337: a1682).

Im Jahr 1997 trat im US-Staat Oregon das Death with Dignity Act in Kraft. Es erlaubt dem behandelnden Arzt, einem terminal kranken Patienten mit Sterbewunsch die letale Dosis eines Medikaments – in der Regel ein kurz wirksames Barbiturat – zu verschreiben, mit dem der Patienten selbst seinem Leben ein Ende setzen kann.

Die passive Sterbehilfe ist zwar an bestimmte Voraussetzungen gebunden. So muss der Patient die Tragweite seiner Entscheidung verstehen, und die zu erwartende Lebenserwartung darf nicht länger als sechs Monate betragen. Und eine psychologische oder psychiatrische Begutachtung wird für den Fall gefordert, dass der verordnende Arzt eine psychiatrische Erkrankung, etwa eine Depression oder Angststörung, vermutet.

Von dieser Möglichkeit wird aber sehr selten Gebrauch gemacht, beklagen Linda Ganzini und Mitarbeiter der Oregon Health and Science University in Portland, die 58 Patienten mit Sterbewunsch untersuchten. Es handelte sich um Patienten mit terminaler Krebserkrankung oder einer amyotrophen Lateralsklerose.

Bei 15 Patienten (26 Prozent) diagnostizierten die Psychiater eine Depression, bei weiteren 13 Patienten (22 Prozent) lag eine Angststörung vor, die ebenfalls die Motivation zur Sterbehilfe beeinflusst haben könnte. Allen Patienten wurde in der Studie eine psychiatrische Betreuung angeboten. 

Zum Zeitpunkt der Studie waren 42 von 58 Patienten gestorben, bei 18 wurde Sterbehilfe geleistet. Unter diesen Patienten befanden sich auch drei Patienten mit einer Depression. Diese hatten trotz Überweisung an einen Psychiater den Weg des Freitods gewählt.

Ganzini glaubt, dass der Anteil der Menschen mit therapierbaren Depressionen unter den Sterbehilfe-Suchenden in Wirklichkeit noch höher sein könnte, als ihre Untersuchung ergeben hat. Sie fordert deshalb ein rigoroses Screening aller Patienten.

Demgegenüber ist für Marije van der Lee vom Helen Dowling Instituut in Utrecht (für Pychoonkologie) eine Depression des Patienten an sich kein Hinderungsgrund für eine Sterbehilfe. Ihrer Ansicht nach beeinträchtigt eine Depression nicht notwendigerweise das Urteilsvermögen der Patienten, das für die niederländische Forscherin das wichtigste Kriterium ist (BMJ 2008; 337: a1558). © rme/aerzteblatt.de

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