Medizin

Studie: Raucher haben schlechtere Lebensqualität und sterben zehn Jahre früher

Dienstag, 14. Oktober 2008

Helsinki – Schwere Raucher haben nicht nur eine um zehn Jahre verkürzte Lebenserwartung. Auch vor ihrem Tod ist die Lebensqualität deutlich herabgesetzt. Dies zeigt eine prospektive Beobachtungsstudie aus Finnland in den Archives of Internal Medicine (2008; 168: 1968-1974). Dort findet sich auch eine Übersicht, die einer Raucherentwöhnung in der Klinik eine hohe Effizienz bestätigt, sofern sie konsequent betrieben wird.

Die Helsinki Business Study umfasst eine Kohorte von 1.658 Männern der Jahrgänge 1919 bis 1934, überwiegend Geschäftsleute aus der finnischen Hauptstadt, die sich 1974 (im Alter von damals durchschnittlich 47 Jahren), als sie sich einer arbeitsmedizinischen Untersuchung unterzogen, der besten Gesundheit erfreuten.

Zwar hatten die 188 schweren Raucher in dieser Gruppe schon damals einen leicht erhöhten Blutdruck, auch einige Parameter des Fett und Glukosestoffwechsels waren gestört. Zudem schätzten die Raucher ihren Gesundheitszustand und körperliche Fitness schlechter ein als die Nichtraucher, was angesichts von mehr als 20 am Tag über längere Zeit gerauchten Zigaretten nicht verwundert. Auffällig war ebenfalls der deutlich höhere Alkoholkonsum (210 vs. 84 Gramm/Woche) bei den starken Rauchern. Ansonsten waren sie aber nicht kränker als die Nicht- oder Exraucher. 

Sechsundzwanzig Jahre später wurde die Kohorte von Arto Strandberg von der Universität Helsinki erneut untersucht. Insgesamt 372 Teilnehmer (22,4 Prozent) der Studie waren gestorben, und aus der Überlebenskurve ergibt sich, dass die starken Raucher im Durchschnitt zehn Jahre früher gestorben waren als die Nichtraucher.

Nicht nur das: Die wenigen aktiven Raucher, die noch lebten hatten eine deutlich verminderte Lebensqualität. In allen acht Kategorien des 36-Punkte-Fragebogens der RAND-Corporation schnitten die Dauerraucher signifikant schlechter ab. Für den Editorialisten David Burns aus Del Mar in Kalifornien widerlegt die Studie die Legende, dass Raucher sich bis zu ihrem Tod einer guten Gesundheit erfreuen und nach dem Motto leben könnten "Lebe schnell und stirb jung". Sie würden vielmehr vorzeitig altern und schneller sterben (2008; 168: 1946-1947).

Viele Raucher schafften den Absprung, aber nicht immer ohne äußeren Druck. Bei vielen dürfte ein Klinikaufenthalt, etwa wegen der Exazerbation einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung der Anlass gewesen sein, das Rauchen einzustellen.

Ein Klinikaufenthalt ist nach einer Übersicht von Nancy Rigotti vom Massachusetts General Hospital in Boston auch aus medizinischer Sicht ein günstiger Zeitpunkt für eine Raucherentwöhnung, zumal an praktisch allen US-Kliniken ein striktes Rauchverbot herrscht.

Mit einer Ermahnung ist den Patienten allerdings nicht geholfen. Nur wenn die Patienten eine konsequente Beratung erhalten und nach der Entlassung noch über wenigstens einen Monat lang nachbetreut werden, was über telefonische Kontakte möglich ist, kann eine Raucherabstinenz über wenigstens sechs Monate oder ein Jahr aufrechterhalten werden, wie die Auswertung von 33 Studien ergab (2008; 168: 1950-1960). 

Erfolg versprechend ist häufig auch ein Abstinenzversuch anlässlich einer Reha-Behandlung, wie die Analyse eines Patientenregisters (Prospective Registry Evaluating Outcomes After Myocardial Infarction Events and Recovery) zeigt.

Laut Nazeera Dawood von der Emory Universität in Atlanta steigt die Chance einer Abstinenz um 80 Prozent, während die einfache Ermahnung durch den erstbehandelnden Arzt auch in dieser Studie gar keine Wirkung zeigte.

Besonders wichtig wären Raucherabstinenzprogramme für Patienten, die nach dem Herzinfarkt depressive Symptome zeigten. Diesen Personen fällt es nach den Ergebnissen der Studie besonders schwer, auf die schädigenden Zigaretten zu verzichten (2008; 168: 1961-1967). © rme/aerzteblatt.de

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