Studie: Alkoholkonsum verkleinert das Gehirn
Dienstag, 14. Oktober 2008
Wellesley – Regelmäßiger Alkoholkonsum lässt – bei Frauen stärker als bei Männern – das Gehirn schrumpfen. Dies zeigt eine Analyse der Framingham-Studie in den Archives of Neurology (2008; 65: 1363-1367).
Die beruhigende Nachricht vorweg. Der absolute Einfluss des Alkoholkonsums auf das Hirnvolumen ist gering und der Beleg einer kausalen Beziehung ist in einer Querschnittsstudie ohnehin nicht möglich. Offen ist auch, ob sich aus den Unterschieden irgendwelche Folgen für die Hirnfunktion ergeben.
Signifikant wurde die Assoziation wohl nur wegen der hohen Teilnehmerzahl der Framingham Offspring Study. Im Rahmen dieser Nachfolgestudie der fast schon legendären Framingham Heart Study wurde zwischen 1999 und 2001 bei 1.839 Teilnehmern eine Kernspintomografie des Gehirns durchgeführt.
Deren Ergebnisse setzte Carol Ann Paul vom Wellesley College im Bundesstaat Massachusetts jetzt mit den Angaben der Teilnehmer zum Alkoholkonsum in Beziehung. Zwischen einem und sieben Getränken gaben die überwiegend der weißen Mittelschicht angehörenden Männer und Frauen an. Es gab nur wenige Abstinenzler (drei Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen), aber auffallend viele “ehemalige Trinker” (25 Prozent der Männer und 33 Prozent der Frauen).
Bestimmt wurde nicht die absolute Größe des Gehirns, sondern das relative Hirnvolumen als Prozentsatz des Schädelhohlraums. Es beträgt 77,4 Prozent bei Männer und 78,35 Prozent bei Frauen. Die restlichen 22,6 Prozent bei Männern und 21,65 Prozent bei Frauen dürften auf die Hohlräume, also in erster Linie die Ventrikel entfallen.
Die Zahlen bedeuten nicht, dass das Gehirn von Frauen größer ist, der vorhandene Raum wird aber, wenn man dies plakativ ausdrücken will, „besser ausgenutzt“. Paul kann zeigen, dass das Hirnvolumen mit zunehmendem Alkoholkonsum abnimmt, und zwar bei Frauen stärker als bei Männern, was Paul auf die insgesamt geringere Größe des weiblichen Gehirns und seine größere Empfindlichkeit für eine Alkoholwirkung zurückführt.
Wichtig ist der Autorin zufolge der Nachweis, dass mäßiger Alkoholkonsum bei Männern und bei Frauen mit einer verminderten Hirngröße einhergeht. Dies steht im Gegensatz zu einer Reihe von epidemiologischen Studien, die positive Wirkungen eines mäßigen Alkoholkonsums auf die Gesundheit beschreiben. Dies betrifft in erster Linie die Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Von der bei mäßigem Alkoholkonsum verbesserte Durchblutung könnte aber auch das Gehirn profitieren. Eine solche indirekte neuroprotektive Wirkung wird durch die aktuelle Studie infrage gestellt. „Ehemaliges Trinken“ war bei den Männern mit einem Rückgang des Hirnvolumens assoziiert, der Rückgang war deutlich stärker als beim mäßigen aktuellen Alkoholkonsum und fast zu stark wie bei aktuellen starken Trinkern.
Sollte dies ein Hinweis auf den in den USA verbreiteten Konsum von hochprozentigen Spirituosen bei Männern sein? Insgesamt dürfen die Ergebnisse nicht überbewertet werden, solange sie nicht durch Daten aus prospektiven Beobachtungsstudien untermauert sind. © rme/aerzteblatt.de
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