Medizin

ADHS: Parkspaziergang bessert Konzentration

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Urbana-Champaign – Der Aufenthalt in der Natur verbessert die Konzentrationsleistungen von Kindern mit einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS). In einer kontrollierten Studie im Journal of Attention Disorders (2008; doi: 10.1177/1087054708323000) erzielte ein zwanzigminütiger Spaziergang im Park in etwa die Wirkung einer medikamentösen Behandlung.

Das Landscape and Human Health Laboratory in Urbana-Champaign, einer Universitätsstaat im Mittleren Westen der USA, gehört zu den ungewöhnlichen Forschungsinstituten des Landes. Frances Kuo und Andrea Faber Taylor erforschen mit wenigen Mitarbeitern die Auswirkungen der Natur auf die menschliche Gesundheit.

Einer der Schwerpunkte der Arbeit ist das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, das die beiden Forscherinnen bereits in einer früheren Arbeit mit dem Mangel an frischer Luft und Bewegung in der Natur der Kinder in Verbindung gebracht hat, die heute mehr Zeit vor dem Fernseher oder Computer als im Freien verbringen.

Damals hatten die Forscher 490 Eltern von Kindern gefragt, welche Aktivitäten nach der Schule und am Wochenende sich günstig oder ungünstig auf die Symptome ihrer Kinder auswirken. Die einhellige Meinung war, dass der Aufenthalt im Grünen ihren Kindern am besten bekomme (American Journal of Public Health 2004; 94: 1580-1586).

Dies war Anlass für eine kleine Studie, in der 17 Kinder mit AHDS im Alter von sieben bis zwölf Jahren drei unterschiedlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt wurden. Dies waren jeweils zwanzigminütige Spaziergänge, die im Abstand einer Woche stattfanden und die immer mit der gleichen Begleitperson durchführt wurden.

Der Weg führte entweder in die Innenstadt (wo die Schaufenster der Geschäfte die Aufmerksamkeit der Kinder ablenken), um den Wohnblock (wo man vielleicht Freunde traf) herum oder in einen Park (was für die Kinder eher gelangweilt haben dürfte). Danach mussten die Kinder einen einfachen Konzentrationstest absolvieren. Beim Digit Span Backwards müssen sie eine Reihenfolge von Zahlen, die ihnen der Untersucher nennt, in umgekehrter Reihenfolge wiederholen. 

Die besten Ergebnisse erzielten die Kinder nach den (wenig aufregenden, aber offenbar erholsamen) Spaziergängen im Park. Die Effektstärke war nach Auskunft von Faber Taylor und Kuo durchaus der einer üblichen Dosis von Methylphenidat vergleichbar. Die Autoren raten den betroffenen Eltern, es durchaus einmal mit einer „Dosis Natur“ zu versuchen, auch wenn die Studie natürlich nicht beweisen kann, dass dadurch eine Pharmakotherapie vermieden werden kann.© rme/aerzteblatt.de

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