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Bildung und mental anspruchsvolle Jobs zögern Morbus Alzheimer hinaus

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Mailand – Ein hoher Bildungsgrad und eine (frühere) mental anspruchsvolle Berufstätigkeit schaffen im Gehirn funktionelle Reserven, die im Fall einer Alzheimer-Erkrankung den geistigen Verfall vorübergehend kompensieren können. Dies zeigen neuere Untersuchungen in Neurology (2008; 71: 1342-1349).

Die funktionelle Reserve bei geistig regen Menschen ist bereits in früheren epidemiologischen Studien aufgefallen. Valentina Garibotto von der Università Vita-Salute San Raffaele in Mailand und Mitarbeiter (unter anderem von der TU Dresden) können sie jetzt erstmals in der Positronenemissionstomographie (PET) dokumentieren.

Für diese Untersuchung wird den Patienten das Radiopharmakon 18F-Fluordesoxyglucose (FDG) appliziert. Es wird von den Hirnzellen wie Glukose aufgenommen. Da Glukose der Hauptenergieträger des Gehirns ist, liefert die PET, die die Verteilung von FDG darstellt, einen Überblick über die Leistungsfähigkeit einzelner Hirnregionen.

Die Forscher haben 242 Patienten mit vermutetem Morbus Alzheimer sowie 144 Gesunde und 72 Patienten mit Gedächtnisstörungen untersucht, die über die für das Alter übliche Vergesslichkeit hinausgeht und als amnestische MCI (mild cognitive impairment) bezeichnet wird. Einundzwanzig dieser aMCI-Personen entwickelten später einen Morbus Alzheimer.

Bei den Patienten mit aMCI, einschließlich jenen, die später am Morbus Alzheimer erkrankten, waren die Veränderungen in der FDG-PET bei gleichen Ergebnissen in den neurophysiologischen Tests signifikant weiter fortgeschritten, wenn die Betroffenen ein hohes Bildungsniveau hatten oder einer mentale herausfordernder beruflichen Tätigkeit nachgegangen waren.

Mit anderen Worten: Bei geistig regen Menschen manifestiert sich ein Morbus Alzheimer später. Dies bedeutet jedoch nicht zwingend, dass ein “Hirnjogging” eine wirksame Therapie im Frühstadium der Erkrankung ist oder die Demenz sogar verhindern kann. Es ist durchaus denkbar, dass genetische Vorteile einigen Menschen eine höhere Ausbildung und die spätere Tätigkeit in mental ansprechenden Berufen ermöglichen und gleichzeitig eine höhere funktionelle Reserve bewirken.

Das Training könnte bestenfalls den Ausbruch der Erkrankung hinauszögern. Auf die Prognose der hirnorganischen Veränderungen beim Morbus Alzheimer hat es sicherlich keinen Einfluss. © rme/aerzteblatt.de

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