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Liebe und Hass in der Kernspintomografie

Mittwoch, 29. Oktober 2008

London – Auch wenn Liebe und Hass sich nach außen als konträre menschliche Gefühlsregungen äußern. Im Innern des Gehirn führen sie zur Aktivierung der gleichen Hirnzentren, wie kernspintomografische Untersuchungen in PLoS ONE (2008; 3: e3556) zeigen.

Die funktionelle Kernspintomografie (fMRI) zeigt, welche Hirnzentren bei menschlichen Regungen vermehrt durchblutet werden. Oft reicht es aus, den Personen Bilder zu zeigen, die bestimmte Emotionen auslösen, um die dadurch aktivierten Hirnregionen in der fMRI sichtbar zu machen.

Schon vor Jahren konnte Semir Zeki vom University College London (damals zusammen mit Andreas Bartels vom MPI für biologische Kybernetik in Tübingen) zeigen, das romantische Gefühle und die Mutterliebe die gleichen Zentren im Gehirn aktivieren, was niemanden überraschte (Neuroimage 2004; 21: 1155–1166).

Beide Gefühle führten zur Aktivierung von Zentren, die als Ansatzpunkt der Hormone Oxytocin und Vasopressin gelten, und beide Gefühle scheinen Zentren auszuschalten, die mit negativen Emotionen und der kritischen Beurteilung anderer Menschen in Verbindung gebracht werden. Dies macht Liebende machmal blind gegenüber offensichtlichen Beziehungsirrtümern, während sie Müttern hilft, gelassen auf die aggressiven Äußerungen ihres Nachwuchses zu reagieren.

Jetzt wiederholte Zeki die Untersuchung an 17 Personen, die zur Untersuchung Bilder von ihren persönlichen Feinden mitgebracht hatte. Die Hirnforscher waren gespannt, welche Hirnzentren die Betrachtung und der dadurch ausgelöste Hass im Gehirn aktiviert. Sie staunten nicht schlecht, als es die gleichen Zentren waren, wie bei ihren früheren Untersuchungen zur romantischen und zur Mutterliebe. 

Freundschaft und Feindschaft aktivieren im Gehirn das rechte Putamen. Diese Region bringen Hirnforscher mit der Vorbereitung von Körperbewegungen in Verbindung. Bei Gefühlen der Liebe könnten diese Aktionen darauf gerichtet sein, sich der geliebte Person zu nähern oder diese zu schützen.

Beim Hass könnten aggressive Handlungen oder die Abwehr böswilliger Aktionen des Gegners daraus resultieren. Das zweite Zentrum, das beide Gefühle aktivieren, ist die Insula. Hier lokalisiert Zeki den Stress, der mit Hassgefühlen verbunden ist, den aber auch die romantische Liebe (in Form der Eifersucht) kennt.

Es gibt aber auch (glücklicherweise möchte man sagen) Unterschiede zwischen Liebe und Hass: Der frontale Cortex, Sitz der Urteilsfähigkeit, ist bei der romantischen Liebe häufig ausgeschaltet. Menschen, die hassen, beschäftigen sich dagegen kritisch mit dem Gegenstand ihrer Abneigung. Besonders die Region, die andere Forscher mit der Vorhersage der Aktionen anderer Menschen in Verbindung gebracht haben, wurde in der Studie durch Gefühle der Abneigung aktiviert.

Gleichzeitig könnte Hass die Kaltblütigkeit steigern, denn die Corpora amygdala und andere Zentren, die mit Furcht, Wut, Aggression und der Wahrnehmung von Gefahr in Verbindung gebrachte werden, bleiben beim Hass ausgeschaltet. Weiterhin kann Zeki zeigen, dass die im fMRI gemessene Aktivität mit dem Ausmaß der Hassgefühle, welche die Probanden in einem Fragebogen angaben, korrelierten. 

Ob die Ergebnisse einmal praktische Bedeutung erlangen, bleibt abzuwarten. Zeki hält es für möglich die fMRI bei der Überführung von Mördern einzusetzen. Diese könnten an den starken Hassgefühlen gegenüber dem Opfer erkannt werden. Für die Verwendung vor Gericht dürften die Kernspintomografen vorerst aber zu sperrig sein und die Überlegenheit gegenüber einem Lügendetektor müsste auch erst einmal belegt werden. © rme/aerzteblatt.de 

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