Multiple Sklerose: Adipositas und Begleiterkrankungen zögern Diagnose um Jahre hinaus
Donnerstag, 30. Oktober 2008
Winnipeg – Die Frühsymptome einer multiplen Sklerose werden häufig falsch interpretiert, wenn die Patienten bereits wegen anderer Erkrankungen in ärztlicher Behandlung sind. Eine Studie in Neurology (2008; doi: 10.1212/01.wnl.0000333252.78173.5f) zeigt ferner, dass auch bei Übergewichtigen die Diagnose häufig erst spät gestellt wird.
Die Frühsymptome der multiplen Sklerose können subtil sein. Häufig stehen Störungen der Sensibilität wie Kribbeln oder Taubheitsgefühle am Anfang. Wenn die Patienten dies dem Arzt mitteilen, besteht die Tendenz die Beschwerden auf bereits bestehende Erkrankungen zurückzuführen, beklagt Ruth Ann Marrie von der Universität von Manitoba in Winnepeg, die das Krankenregister der North American Research Committee on Multiple Sclerosis ausgewertet hat.
Von den 8.983 dort registrierten Patienten litten 2.375 bereits zwei Jahren nach der Diagnose an Behinderungen. Die Befragung ergab, dass diese Personen häufig übergewichtig waren und an anderen Erkrankungen litten. Für die Adipositas ermittelte Marrie ein um 38 Prozent erhöhtes Risiko auf mittelschwere Behinderungen zum Zeitpunkt der Diagnose, für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen war das Risiko sogar um um 51 Prozent erhöht.
Patienten mit Erkrankungen des Bewegungsapparates hatten 81 Prozent häufiger als andere zu Beginn der Erkrankung bereits schwere Behinderungen, bei Patienten mit mentalen Erkrankungen war das Risiko um 62 Prozent erhöht. Die Dauer der Verzögerungen bis zur Diagnose gibt Marrie mit einem bis zehn Jahre an. Sie forderte die Ärzte auf, häufiger als bisher an die Möglichkeit einer multiplen Sklerose zu denken. © rme/aerzteblatt.de
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