Ausland

Alternativer Weltgesundheitsbericht kritisiert globale Gesundheitspolitik

Mittwoch, 12. November 2008

London/Hannover – Wissenschaftler und Entwicklungsorganisationen fordern einen radikalen Kurswechsel in der globalen Gesundheitspolitik. Zugleich kritisieren die im Netzwerk „Global Health Watch“ (GHW) zusammengeschlossenen Initiativen und Experten in einem am Mittwoch in London veröffentlichten „Alternativen Weltgesundheitsbericht“ einen „übermäßigen Einfluss“ der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung auf die internationale Gesundheitspolitik.

Zwar sei ihre Leistung mit einem Kapital von 29 Milliarden Dollar im Jahr 2005 unbestreitbar; der Stiftung fehlten aber demokratische Strukturen. Zudem sei zu befürchten, dass sie einseitig einen technischen Ansatz vertrete. 

In dem Bericht beklagt das Netzwerk, dass trotz gestiegener Finanzmittel für globale Gesundheit nach wie vor mehrere 100 Millionen Menschen keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hätten.

Die Entwicklungsausgaben für Gesundheit, die laut Weltbank zwischen 1990 und 2005 von 2,5 auf 14 Milliarden US-Dollar gestiegen seien, würden nicht effizient eingesetzt. Grund sei die oft fehlende Kooperation zwischen „einzelgängerischen Gebern“, „verwirrend vielen Akteuren“ und globalen Gesundheitsinstitutionen.

Neben 26 UN-Behörden existierten inzwischen 40 bilaterale Geber, 20 regionale und globale Fonds sowie über 90 globale Gesundheitsinitiativen. Dies untergrabe die Autorität der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die für eine einheitliche Entwicklung der Gesundheitssysteme Sorge trage. Seit 1990 hätten Geber mehr zu Spezialprogrammen als zum Kernbudget der WHO beigetragen, was die Organisation anfälliger etwa für Druck aus der Industrie mache. 

Scharfe Kritik übt der Bericht an der medizinischen Forschung, die von der „Profitgier der Pharmaindustrie“ dominiert sei. Obwohl 60 Prozent der Pharma-Forschung vom öffentlichen Sektor getragen werde, würden die Mittel überwiegend zur Entwicklung von Medikamenten „mit zweifelhaften oder nur geringfügigen Verbesserungen eingesetzt“.

Im „Global Health Watch“ haben sich rund 70 Nicht-Regierungsorganisationen, darunter das Hilfswerk „medico international“, sowie Ärzte, Gesundheitsarbeiter und Wissenschaftler zusammengeschlossen. © afp/aerzteblatt.de

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