Ausland

Italiens Politiker fordern Gesetz zur Sterbehilfe

Montag, 17. November 2008

Rom – Nach dem spektakulären Wachkoma-Urteil wird in Italien der Ruf nach einer rechtlichen Regelung für Sterbehilfe und Patientenverfügungen lauter. Justizminister Angelino Alfano verlangte laut der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ vom Samstag, das Parlament müsse die Gesetzeslücke schließen.
Maurizio Gasparri, Fraktionsvorsitzender des Regierungsbündnisses „Volk der Freiheit“ im Senat, sagte im Blick auf die Wachkoma-Patientin Eluana Englaro, deren Tragödie dürfe nicht „das Schicksal aller Eluanas in unserem Land bestimmen“. Auch Politiker der Opposition schlossen sich der Forderung nach einer Gesetzesinitiative an. Am Donnerstag hatte das römische Kassationsgericht ein Urteil gebilligt, das den Abbruch der künstlichen Ernährung bei der bewusstlosen 37-Jährigen erlaubt.

Unterdessen bereiten 34 italienische Verbände eine Eingabe beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte vor. Sie wollen in Straßburg gegen das Kassations-Urteil und den zugrunde liegenden Entscheid eines Mailänder Berufungsgerichts vom Juli vorgehen. Eine Sprecherin der Initiative, die Anwältin Rosaria Elefante, nannte es im „Corriere“ eine „unsägliche Barbarei“, wenn man einen Behinderten an Hunger und Durst sterben lasse.

Der Vater der italienischen Wachkoma-Patientin Eluana Englaro stößt nach Zeitungsberichten trotz des Urteils auf Schwierigkeiten, seine Tochter sterben zu lassen. Derzeit ist keine Klinik bereit, die seit fast 17 Jahren bewusstlose Frau von der sie ernährenden Nasensonde abzuhängen, wie die italienische Tageszeitung „La Stampa“ in ihrer Samstagsausgabe berichtet.

Die 37-jährige Englaro liegt in der katholischen Luigi-Talamoni-Klinik im norditalienischen Lecco. Ihr Vater Beppino Englaro hatte laut „La Stampa“ bereits vor dem Urteil des Kassationsgerichts am Donnerstag Kontakt zu einer Klinik in Udine aufgenommen, nachdem der Präsident der Region Lombardei, Roberto Formigoni, ein Nein zur Sterbehilfe gesprochen hatte.

Jetzt wandte sich auch der für Udine zuständige Gesundheits-Assessor der Region Friaul-Julisch Venetien gegen die Pläne Beppino Englaros. „Unsere Region nimmt in ihren Gesundheitseinrichtungen jedermann auf. Aber Brot und Wasser werden niemandem verweigert“, zitierte die Zeitung den Assessor Vladimior Kosic. Regionalpräsident Renzo Tondo äußerte hingegen „Respekt vor dem Urteil des Kassationsgerichts und vor diem Schmerz der Familie Englaro“. © kna/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

4.346 News Ausland

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige