Medizin

Vermehrte Fehlbildungen nach künstlicher Befruchtung

Dienstag, 18. November 2008

Atlanta – Kinder, die mit Techniken der assistierten Reproduktion (künstliche Befruchtung) gezeugt werden, kommen doppelt so häufig wie andere Kinder mit Fehlbildungen zur Welt. Dies zeigt eine Fallkontrollstudie der Centers of Disease Control and Prevention in Human Reproduction (2008; doi:10.1093/humrep/den387). Die Gründe sind unklar. 

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In den USA soll mehr als jede zehnte Frau im reproduktionsfähigen Alter schon einmal die Dienstleistungen eines Reproduktionsmediziners in Anspruch genommen haben. Mehr als jedes hundertste Kind wird dort durch eine Variante der künstlichen Befruchtung gezeugt. Es hat in den letzten Jahren immer wieder Berichte über das vermehrte Auftreten von Fehlbildungen gegeben.

Diese Studien kamen jedoch nicht zu eindeutigen Ergebnissen. Jennita Reefhuis von den CDC in Atlanta hat deshalb die Daten des US-National Center on Birth Defects and Developmental Disabilities ausgewertet. Diese Datenbank sammelt zurzeit alle Fehlbildungen aus einer Reihe von Geburtskliniken in zehn US-Staaten. Schon jetzt ist es die größte Studie des Landes zu Fehlbildungen. 

Die laufende Fallkontrollstudie soll helfen, die genetischen und umweltbedingten Ursachen von Fehlbildungen zu erkennen. Nach den jetzt vorgelegten Daten haben Kinder aus Einzelschwangerschaften nach künstlicher Befruchtung ein mehr als doppelt so hohes Risiko auf septale Herzfehler (adjustierte Odds Ratio aOR 2,1; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,1-4,0) oder auf Lippenspalten mit/ohne Gaumenspalte (aOR 2,4; 1,2-5,1).

Vierfach erhöht ist das Risiko auf eine anorektale Atresie (aOR 3,7; 1,5-9,1), und Ösophagusatresien wurden sogar viereinhalbfach häufiger gesehen (aOR 4,5; 1,9-10,5). Für weitere Fehlbildungen wurde eine tendenzielle Zunahme gefunden. Dass das Signifikanzniveau verfehlt wurde, könnte an der geringen Fallzahl der Studie von 281 Geburten gelegen haben. Die absolute Häufigkeit einer Lippenspalte mit/ohne Gaumenspalte beträgt normalerweise 1:950, unter den künstlich befruchteten Kindern stieg das Verhältnis auf 1:425. 

Ein erhöhtes Risiko war nur bei Kindern aus Einzelschwangerschaften nachweisbar. Bei Mehrlingsschwangerschaften gab es bei einigen Fehlbildungen zwar Trends zu einem häufigeren Auftreten.

Das Signifikanzniveau wurde möglicherweise deshalb verfehlt, weil Mehrlingsschwangerschaften auch ohne assistierte Reproduktion häufiger mit Fehlbildungen einhergehen und die Auswirkungen der assistierten Reproduktion sich deshalb weniger stark bemerkbar machen. Zukünftige Analysen dürften hier Klarheit bringen.

Die Studie kann eine Kausalität zu den Techniken der Reproduktionsmedizin nicht belegen. Die meisten Experten neigen zu der Ansicht, dass die Fehlbildungen Teil der Störung sind, die auch zur Infertilität führt. © rme/aerzteblatt.de

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