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Studie: Ginkgo kann einer Alzheimer-Demenz nicht vorbeugen

Mittwoch, 19. November 2008

Pittsburgh – Der Versuch, einen Morbus Alzheimer durch die Einnahme von Ginkgo-Extrakten zu verhindern, ist in einer großen randomisierten Studie gescheitert. Laut der Publikation im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 300: 2253-2262) war das Präparat eines deutschen Herstellers wirkungslos.

Auch in den USA erfreuen sich Extrakte aus den Blättern von Ginkgo biloba großer Beliebtheit. Nach einer Umfrage sollen 4,5 Millionen Erwachsene dort regelmäßig das pflanzliche Mittel aus der traditionellen chinesischen Medizin einnehmen, in der Hoffnung, dass es kognitive Funktionen und Gedächtnis im Alter erhalten möge, auch wenn dies nicht wenige Experten bezweifeln. Nach Einschätzung von Meta-Analytikern gibt für die Wirkung von Gingko nur „inkonsistente und nicht überzeugende Belege“ (Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, doi: 10.1002/14651858.CD003120.pub2).

Zu den populären Anwendungsgebieten zählt die Prävention der Alzheimerdemenz, die Gegenstand der Ginkgo Evaluation of Memory-Studie war. Es handelt sich nach Angaben des Sponsors, dem US-National Center for Complementary and Alternative Medicine um die größte klinische Studie, die jemals zu den Auswirkungen von Ginkgo-Extrakten auf die Entwicklung der Demenz durchgeführt wurde.

An der Studie hatten sich an fünf akademischen Zentren in den USA 3.069 Senioren im Alter von 75 Jahren oder älter beteiligt, die entweder geistig gesund waren oder bei denen eine leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI) vorlag, die als mögliche Vorstufe der Alzheimerdemenz eingestuft wird. Die Probanden nahmen zweimal täglich entweder ein Placebo oder ein Gingko-Präparat ein, das die Firma Schwabe zur Verfügung gestellt hatte. Auch die Dosierung von 240 mg/die habe den derzeitigen Empfehlungen entsprochen, berichten Steven DeKosky von der Universität Pittsburgh und Mitarbeiter, die jetzt das Ergebnis vorstellten.

Während der Studiendauer von im Mittel 6,1 Jahren erkrankten 523 Teilnehmer an einer Demenz. Von ihnen hatten 246 Placebo und 277 das Ginkgo-Extrakt eingenommen. Das Erkrankungsrisiko war unter dem Ginkgo-Extrakt sogar um 12 Prozent höher (Hazard Ratio 1,12; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,94-1,33). Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant und dürfte deshalb ein Zufallsergebnis gewesen sein. Auch in der Untergruppe der Patienten mit MCI, in der die Experten am ehesten eine Wirkung erwartet hätten, traten tendenziell mehr Demenzerkrankungen auf (Hazard Ratio 1,13; 0,85-1,50).

Das einzig gute Ergebnis war, dass sich die Extrakte als sicher erwiesen. Das Blutungsrisiko scheint, anders als dies frühere Einzelfallberichte befürchten ließen, nicht erhöht zu sein. Im Sicherheitsprofil gebe es keine Unterschiede zu Placebo, stellen die Autoren fest.

Auch die Editorialistin Lon Schneider von der Universität von Südkalifornien in Los Angeles hält Ginkgo-Extrakte für nicht geeignet, um bei älteren Menschen einer Demenzerkrankung vorzubeugen (JAMA 2008; 300: 2306-2308). Dass der Hersteller dies anders sieht, dürfte nicht überraschen. In einer Stellungnahme heißt es unter anderem, man könne nicht erwarten, dass eine Therapie bei im Durchschnitt 79 Jahren alten Personen noch eine Wirkung erziele, da die Schäden an den Nervenzellen etwa 15 bis 20 Jahre früher beginnen, bevor die Erkrankung symptomatisch werde.© rme/aerzteblatt.de

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