Medizin

Studie: Depression und Schizophrenie steigern Suizidalität

Donnerstag, 20. November 2008

Stockholm/Bristol – Jeder dritte männliche Patient mit bipolarer/unipolarer Störung oder einer Schizophrenie, der wegen eines Suizidversuchs hospitalisiert wurde, nimmt sich nach der Entlassung aus der Klinik irgendwann das Leben, die meisten davon bereits im ersten Jahr. Dies zeigt eine Langzeituntersuchung aus Schweden im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2008; 337: a2205).

Dass Menschen mit Suizidabsichten diese nicht nach dem ersten gescheiterten Versuch aufgeben, ist bekannt. Auch die Tatsache, dass Menschen mit Psychosen und Depressionen besonders gefährdet sind, ist nicht neu.

Noch nie wurden die Rezidivrisiken aber so umfassend untersucht wie von Dag Tidemalm und Mitarbeitern des Karolinska Instituts in Stockholm, die dem Schicksal von fast 40.000 Personen nachgingen, die in den Jahren 1973 bis 1982 wegen eines Suizidversuchs hospitalisiert worden waren.

Bereits unter Menschen ohne psychiatrische Diagnose ist die Rückfallrate hoch: 5,1 Prozent der Männer und 2,8 Prozent der Frauen starben im ersten Jahr nach der Entlassung auf der Klinik an einem Suizid. Im gesamten Zeitraum der Nachbeobachtung von 21 bis 31 Jahren waren 11,2 Prozent der Männer und 7,1 Prozent der Frauen am Suizid verstorben. 

Deutlich häufiger nehmen sich Patienten mit Schizophrenie das Leben. Bei den Männern waren es 38,5 Prozent, bei den Frauen 24,1 Prozent. Auch bei Patienten mit unipolarer Störung (Major-Depression) oder bipolarer Störung (Manisch-depressive Erkrankung) ist das Rezidivrisiko extrem hoch: 35,7 Prozent der Männer und 20,1 Prozent der Frauen begingen einen Suizid.

Auch bei anderen Formen der Depressionen, bei Angststörungen, bei Drogenabhängigkeit und Persönlichkeitsstörungen bleibt der erste Suizidversuch häufig nicht der letzte, auch wenn das „Rückfallrisiko“ deutlich geringer ist als bei der Schizophrenie oder bei unipolaren/bipolaren Störungen.

Interessanterweise war das Risiko bei Männern mit Anpassungsstörungen, posttraumatischer Stresserkrankung oder Alkoholabusus nicht signifikant erhöht. Dies trifft aber nur im Vergleich zu den suizidalen Patienten ohne psychiatrische Diagnose zu. Gegenüber einer Vergleichsgruppe aus der Normalbevölkerung dürfte das Risiko deutlich erhöht sein. Dies wurde in der Studie allerdings nicht untersucht.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Gruppe um David Gunnell von der Universität Bristol. Nach ihrer Studie werden etwa sechs Prozent aller Erwachsenen, die aus psychiatrischen Kliniken in England und Wales entlassen werden, in den folgenden zwölf Monaten wegen eines Suizidversuchs erneut hospitalisiert (BMJ 2008; 337; a2278).

Im Editorial weisen Udo Reulbach von der irischen National Suicide Research Foundation in Cork und Stefan Bleich von der Medizinischen Hochschule Hannover darauf hin, dass weltweit jedes Jahr 1,5 Millionen Menschen an einem Suizid sterben, der zu den zehn häufigsten Todesursachen gehört (BMJ 2008; 337: a2512). © rme/aerzteblatt.de

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