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Frühe Therapie rettet HIV-infizierten Kleinkindern das Leben

Donnerstag, 20. November 2008

Johannesburg – HIV-infizierte Säuglinge und Kleinkinder müssen sofort mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden. Ein Hinauszögern bis zum Einsetzen der Immunschwäche geht nach einer Studie im New England Journal of Medicine (2008; 359: 2233-2244) mit einer deutlichen Verschlechterung der Prognose einher. 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte bis zum letzten Jahr noch empfohlen, HIV-infizierte Kleinkinder erst zu behandeln, wenn die CD4-Werte auf unter 20 Prozent (25 Prozent bei Kindern unter einem Jahr) abgefallen waren oder wenn Symptome der Immunschwäche aufgetreten waren.

Diese Strategie war in der 2005 begonnenen Children with HIV Early Antiretroviral Therapy (CHER) Trial mit einem sofortigen Therapiebeginn verglichen worden. Schon bei einer Zwischenauswertung im Juni letzten Jahres fiel auf, dass die Verschiebung des Therapiebeginns katastrophale Folgen hat.

Nach nur 40 Wochen waren 16 Prozent der Kinder gestorben, viermal so viele wie nach einem sofortigen Therapiebeginn. Dort betrug die Sterberate nur vier Prozent. Der frühzeitige Therapiebeginn senkte die Sterberate um 76 Prozent (Hazard Ratio 0,24; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,11-0,51).

Auch die Zahl der Kinder, die das Stadium C oder das fortgeschrittene Stadium B (nach Centers of Disease Control and Prevention) erreichten, war um 75 Prozent geringer (Hazard Ratio 0,25; 0,15-0,41). Diese Ergebnisse haben dazu geführt, dass die WHO ihre Leitlinien modifiziert hat. Der sofortige Therapiebeginn ist inzwischen Standard.

Nach Aussage der Autoren um Avy Violari vom Comprehensive International Program of Research on Aids (CIPRA-SA) in Johannesburg hat sich die Bestimmung der CD4-Werte bei Kleinkindern als unzuverlässiger Parameter zur Beurteilung der Immunschwäche erwiesen. Die Folgen der HIV-Infektion auf ein noch nicht ausgereiftes Immunsystem seien verheerend.

Die Erkrankung nehme einen unvorhersehbaren und oft sehr schnellen Verlauf. Kinder, die am Morgen noch munter sind, könnten im Verlauf des Tages so schwer erkranken, dass sie noch am gleichen Tag stürben. Einige Eltern würden nicht einmal mehr den Weg ins Krankenhaus schaffen, erklärte Violari gegenüber den Medien. © rme/aerzteblatt.de

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