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Umfrage: Überraschend viele Ärzte für Sterbehilfe

Montag, 24. November 2008

Berlin – Überraschend viele deutsche Ärzte sind einer Umfrage zufolge dafür, unheilbar kranken Patienten beim Suizid zu helfen oder gar deren Leben auf ihren Wunsch hin zu beenden. Das ergab eine anonyme Befragung von 483 Ärzten für das Magazin Spiegel.

Danach würden 35 Prozent eine Regelung befürworten, die es Ärzten erlaubt, Patienten mit fortgeschrittener, unheilbarer Krankheit beim Suizid zu helfen. Für aktive Sterbehilfe war jeder sechste Mediziner (16,4 Prozent). Fast 40 Prozent konnten sich vorstellen, dass sie Patienten beim Suizid helfen. 16 Prozent hielten es sogar für denkbar, aktive Sterbehilfe zu leisten.

Die Deutsche Hospiz-Stiftung forderte angesichts der Zahlen verpflichtende ethische Fortbildungen für ärztliche Berufe und mehr Geld für eine professionelle Sterbebegleitung.

Das Meinungsforschungsinstitut TNS Healthcare befragte Mediziner, die als Hausarzt oder Internist, Onkologe, Anästhesist und Palliativmediziner im Krankenhaus Schwerstkranke behandeln. Über 3,3 Prozent der Befragten gaben demnach an, bereits ein- oder mehrmals einem Patienten beim Suizid geholfen zu haben. Hochgerechnet wären das – allein unter den befragten Ärztegruppen – etwa 3.000 Mediziner, die ihrem Standesrecht zuwider gehandelt haben. Nicht mitgerechnet ist dabei das Dunkelfeld der aktiven Sterbehilfe.

Beihilfe zum freiverantwortlichen Suizid ist in Deutschland straflos, kann aber berufsrechtliche Konsequenzen haben. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland strafbar.

Mit 44,5 Prozent würde sich fast die Hälfte der Ärzte bei eigener unheilbarer Krankheit wünschen, dass ein Kollege ihnen beim Suizid helfen darf. Fast ein Drittel (31,5 Prozent) wünscht sich das für die Möglichkeit der aktiven Sterbehilfe.

Die Deutsche Hospiz-Stiftung kritisierte am Sonntag, die Umfrage zeige, „wie wenig sattelfest Ärzte sowohl in ethischen als auch medizinischen Fragen sind“. Es sei nicht verwunderlich, dass Ärzte dem Leiden der Betroffenen hilflos gegenüberstünden, „wenn nur vier Prozent der über 810.000 Sterbenden in Deutschland in den letzten zwölf Monaten ihres Lebens eine professionelle palliative und hospizliche Begleitung erhalten“, erklärte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch. Hinzu komme, dass viele Ärzte zwischen „sterben lassen“ und „töten“ nicht unterscheiden könnten.

Die Hospiz-Stiftung forderte, dass Bund, Länder und Ärzteverbände rund 30 Millionen Euro jährlich für ethische Fortbildungen zu Verfügung stellen müssten. Zudem verlangte der Verband den Ausbau der hospizlich-palliativen Versorgung für wenigstens 50 Prozent der Betroffenen. „Es ist ein Skandal, dass die Krankenkassen von den jährlich 220 Millionen Euro für spezielle Palliativversorgung erst 1,2 Millionen ausgegeben haben“, kritisierte Brysch. © afp/aerzteblatt.de

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