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Typ-II-Diabetes mellitus: Gentests klinisch ohne Bedeutung

Dienstag, 25. November 2008

Boston und Malmö – In den letzten Monaten wurde eine Vielzahl von Genvarianten entdeckt, die auf einen Typ-II-Diabetes mellitus prädisponieren. Die Vorhersage der Erkrankung kann durch diese kostspieligen Tests dennoch nicht verbesst werden. Das geht aus zwei Studien im New England Journal of Medicine (2008; 359: 2208-2219 und 2220-2232) hervor.

James Meigs vom Massachusetts General Hospital in Boston hat in archivierten Blutproben von Teilnehmern der Framingham Offspring Study nach 18 SNPs (single-nucleotide polymorphisms) gesucht. Jedes einzelne dieser Genvarianten war in genomweiten Assoziationsstudien mit einem erhöhten Risiko auf einen Typ-II-Diabetes mellitus verbunden gewesen. 2 377 Teilnehmer wurden „genotypisiert”. Von ihnen sind in den folgenden 28 Jahren 255 an einem Typ-II-Diabetes mellitus erkrankt.

Die Genvarianten sind jedoch nicht das einzige Merkmal, das auf ein erhöhtes Diabetesrisiko hinweist. Zu den „traditionellen“ Risikofaktoren gehört auch das Geschlecht: Männer erkranken zu circa 30 Prozent häufiger als Frauen. Eine positive Familienanamnese prädisponiert ebenfalls zum Typ-II-Diabetes mellitus: Verwandte ersten Grades erkranken mehr als doppelt so häufig. Schließlich gibt es eine Reihe von klinischen Merkmalen für den Typ-II-Diabetes mellitus, die im Verlauf der ärztlichen Betreuung erhoben werden.

Meigs hat jetzt mit statistischen Methoden untersucht, ob ein Gentest auf 18 SNPs die Vorhersage eines Typ-II-Diabetes mellitus verbessern kann, wobei er sich der sogenannten C-Statistik bedient. Ein Wert von 0,5 zeigt, dass man genauso gut eine Münze werfen könnte. Bei einem Wert von 1,0 wäre der Diabetes ein unvermeidbares Schicksal. Wie zu erwarten, ist das Geschlecht allein kaum in der Lage einen Typ-II-Diabetes mellitus vorherzusagen. Der Wert der C-Statistik liegt bei 0,534. Mit einem Gentest würde er auf 0,581 steigen, was ebenfalls keine gute Vorhersage erlaubt. Etwas besser ist die Vorhersage, wenn neben dem Geschlecht auch die Familienanamnese berücksichtigt wird. Auch ohne Gentest liegt der Wert der C-Statistik bei 0,595. Mit der Kenntnis der Genvarianten steigt er auf 0,615. Doch in den Krankenakten der meisten Patienten finden sich noch Angaben zum Body-Mass-Index, zum Nüchternglucosewert, zum Blutdruck, zum HDL-Cholesterin und zu den Triglyzeriden. Zusammen mit Geschlecht und Familienanamnese lässt sich aus diesen Werten recht gut vorhersagen, ob ein Mensch im Verlauf seines Lebens an einem Typ-II-Diabetes mellitus erkranken wird oder nicht. Die C-Statistik ergibt einen Wert von 0,900. Mit Kenntnis der Genmarker steigt er aus 0,901. Der Unterschied würde die Investition in den Gentest sicher nicht rechtfertigen.

Meigs will nicht ausschließen, dass in Zukunft noch weitere SNPs gefunden werden, welche die genetische Vorhersage verbessern. Dass sie einen Gewinn gegenüber einer sorgfältigen anamnestischen und klinischen Beurteilung der Patienten bietet, dürfte jedoch unwahrscheinlich sein.

Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch Valeriya Lyssenko von der Universität Malmö. Grundlage ihre Untersuchung sind zwei Kohorten: das Malmö Preventive Project mit 16.061 Teilnehmern und die finnische Botnia-Studie mit 2.770 Teilnehmern. Während einer Nachbeobachtungszeit von 23,5 Jahren erkrankten 11,7 Prozent an einem Typ-II-Diabetes mellitus. Der Vorhersagewert allein anhand der klinischen Daten betrug 0,74. Es stieg auf 0,75, wenn das Ergebnis des Gentests zu 11 SNPs bekannt war. © rme/aerzteblatt.de

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