Schlüsselmolekül für epileptische Anfälle entdeckt
Montag, 16. Februar 2009
Bonn – Ein Schlüsselmolekül bei der Entstehung epileptischer Anfälle hat eine Arbeitsgruppe aus Bonn zusammen mit Forschern aus den USA und Israel entdeckt. Sie beschrieben ihre Ergebnisse im Journal of Neuroscience (2008; 28: 13341 – 13353).
Schon ein einziger epileptischer Anfall kann einen Prozess in Gang setzen, an dessen Ende die Schädigung bestimmter Hirnareale steht. Diese bahnen dann wiederum den Weg für weitere Anfälle. Welche Prozesse dazu im Einzelnen führen, war bislang weitgehend unbekannt. „Wir haben nun jedoch ein Schlüsselmolekül identifiziert, das dafür verantwortlich sein könnte“, sagte der Bonner Epileptologe Heinz Beck. Es handelt sich dabei um den Baustein eines Kalziumkanals. Nach einem Krampfanfall fahren NervenzelIen die Produktion dieses Kanalbausteins hoch. Dadurch verändert sich einerseits ihr elektrisches Verhalten. Andererseits scheinen diese Änderungen aber auch dazu zu führen, dass in bestimmten Hirnzentren massenhaft Nervenzellen zu Grunde gehen. „Diese Zellschädigungen sind die Ursache dafür, dass eine chronische Epilepsie entsteht“, erläuterte Albert Becker vom Bonner Institut für Neuropathologie.
Bei Mäusen, denen das Gen für den entsprechenden Baustein des Kalzium-Kanals fehle, blieben die Nervenzellen intakt. Deshalb entwickelten die Tiere weitaus seltener eine chronische Epilepsie. „Wir könnten beispielsweise nach einem ersten Krampfanfall durch Gabe geeigneter Medikamente versuchen, die Bildung des Kanalbausteins zu drosseln. Eventuell ließe sich so verhindern, dass weitere Anfälle folgen”, sagte Beck. © hil/aerzteblatt.de
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