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Multiple Sklerose: MRI-Läsionen gehen Symptomen um Jahre voraus

Donnerstag, 11. Dezember 2008

San Francisco – Die für die mltiple Sklerose typischen kernspintomografischen Läsionen können schon viele Jahre vor dem Ausbruch der Erkrankung sichtbar sein. Dies belegt eine Studie in Neurology (2008; doi: 10.1212/01.wnl.0000335764.14513.1a). Ein Editorialist rät dringend davon ab, den betroffenen Personen den Befund mitzuteilen.

Die breite Anwendung der Kernspintomografie hat dazu geführt, dass hin und wieder kontrastverstärkte Läsionen in der weißen Substanz entdeckt werden, die auf eine multiple Sklerose hindeuten. Oft sind diese Personen neurologisch unauffällig. Dennoch stellt sich die Frage, ob es sich um ein Frühstadium der Erkrankung handelt. Das lässt sich derzeit im Einzelfall nicht klären. Nach einer Untersuchung von Darin Okuda von der Universität von Kalifornien in San Francisco muss jedoch davon ausgegangen werden, dass es bei vielen Patienten später zu einer Manifestation der Erkrankung kommt.

Die Neurologen berichten von 41 Frauen und 3 Männern mit einem auf eine multiple Sklerose hinweisenden Zufallsbefund in der Kernspintomografie. Bis auf einen Patienten (mit einem Schlaganfall in der Vorgeschichte) waren alle Personen neurologisch unauffällig. Bei 27 Personen lag ein Liquorbefund vor, der in 18 Fällen auf eine multiple Sklerose hindeutete. Bei 41 Personen konnten die Forscher nach durchschnittlich 2,7 Jahren eine zweite Kernspintomografie durchführen. Bei 24 dieser 41 Personen stellten sie eine radiologische Progression der Läsionen fest. 30 Personen konnten klinisch untersucht werden. Zehn dieser 30 Personen hatten – im Durchschnitt 5,4 Jahre nach der ersten Kernspintomografie – eine klinisch manifeste multiple Sklerose entwickelt. Der Anteil von einem Drittel der Personen mit verdächtigen Läsionen, bei denen es später zur Erkrankung kommt, ist sicherlich hoch. Außerdem ist nicht ausgeschlossen, dass bei einer längeren Nachbeobachtungszeit weitere Patienten hinzukommen.

Dennoch gibt es nach Ansicht des Editorialisten Dennis Bourdette von der Oregon Health & Science University in Portland derzeit keinen Grund, die Patienten zu behandeln (was bei sieben Patienten indes geschehen war). Die Diagnose einer multiplen Sklerose erfordere den Nachweis von Symptomen, schreibt Bourdette, schließlich behandele man Patienten und keine kernspintomografischen Befunde. Bourdette riet den Radiologen dringend davon ab, den Betroffenen den Befund mitzuteilen, da die Diagnose einer multiple Sklerose schwere psychosoziale Folgen habe. © rme/aerzteblatt.de

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