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Wie HI-Viren die Vaginalschleimhaut überwinden

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Chicago – Entgegen einer bisherigen Annahme können HI-Viren sehr wohl durch eine unbeschädigte Vaginalschleimhaut in den Körper eindringen. Das zeigen Experimente, deren Ergebnisse auf der Jahrestagung der American Society for Cell Biology in San Francisco vorgestellt wurden.

Unter den schätzungsweise 3.000 Personen, die sich in diesem Jahr in Deutschland mit HIV infiziert haben, waren auch 350 Frauen. In den USA erfolgt sogar ein Viertel aller Infektionen durch heterosexuellen Verkehr von Männern auf Frauen. Diese Zahlen zeigen, dass Frauen das Infektionsrisiko ernst nehmen müssen. Schutz bietet allein die Verwendung eines Kondoms durch den Partner. Ein Diaphragma zur Empfängnisverhütung kann eine Infektion nicht verhindern. Ebenso wenig sind Frauen nach einer Hysterektomie geschützt. Denn die Annahme, wonach die HI-Viren erst im Zervixkanal in den Körper der Frau eindringen, weil die Vaginalschleimhaut für Viren undurchdringbar ist, hat sich als falsch erwiesen. Ebenso irrig ist die Annahme, dass sich Frauen nur dann infizieren, wenn die Schleimhautbarriere in der Vagina durch andere sexuell übertragbare Erkrankungen geschädigt ist.

Warum das so ist, hat der Zellbiologe Thomas Hope von der Feinberg School of Medicine in Chicago an Gewebeproben aus Hysterektomien herausgefunden. Hope markierte die HI-Viren mit einem Fluoreszenz-Marker. Unter dem Mikroskop konnte er dann den Weg der Viren durch das intakte Epithel beobachten. Etwa vier Stunden benötigten die Viren, um die etwa 50 Mikrometer zurückzulegen und zu den antigenpräsentierenden Zellen in der Mukosa oder den CD4-positiven T-Zellen in der Submukosa zu gelangen. Sie drängten sich dabei durch die Zwischenräume der Epithelien. Als Schwachpunkt der Schleimhautbarriere, die nach den Experimenten des Forschers diesen Namen nicht mehr verdient, erwies sich die physiologische Erneuerung des Epithels, bei dem die oben liegenden Zellen abgestoßen werden. Dabei lockern sich die festen intrazellulären Verbindungen. Durch die entstehenden Lücken dringen die Viren ungehindert ein. In weiteren Experimenten will der Zellbiologe jetzt untersuchen, welche Zellen als erste von den HI-Viren befallen werden. © rme/aerzteblatt.de

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