Medizin

Grippewelle rollt an – Virus zunehmend resistent gegen Tamiflu

Montag, 22. Dezember 2008

Stockholm/Atlanta – In Europa und Nordamerika rollt die Grippewelle an. Erste Untersuchungen zeigen, dass einige Virusstämme resistent gegen den Neuraminidase-Inhibitor Oseltamivir (Tamiflu®) sind. 

Wurden im letzten Jahr nur wenige Resistenzen gegen Neuraminidase-Inhibitoren beobachtet, so zeigten in dieser Saison 49 der ersten 50 von den Centers for Disease Control and Prevention untersuchten Stämme vom Virusstamm A (H1N1) eine verminderte Empfindlichkeit.

In Europa wurde bei 19 von 20 untersuchten H1N1-Viren eine Oseltamivirresistenz gefunden, teilen die European Centers for Disease Control and Prevention in Stockholm mit. Gegen die Stämme A H3N2 und die Influenza B war Oseltamivir dagegen immer empfindlich.

Weiterhin empfindlich gegen den Stamm A (H1N1) ist der Neuraminidase-Inhibitor Zanamivir, teilen die beiden Behörden mit. Der Hersteller von Relenza® kündigte sogleich an, dass er das Medikament in ausreichender Menge zur Verfügung stellen könnte. Ob es benötigt wird, ist eine andere Frage.

Die US-CDC sieht derzeit keinen großen Bedarf für Relenza, denn das Mittel ist für Kinder unter 7 Jahre nicht zur Behandlung der Grippe zugelassen, wodurch der Einsatz bei einer der am meisten gefährdeten Gruppe, den Kleinkindern, entfällt.

Bei der anderen Risikogruppe, den Senioren, ist der Einsatz durch die Notwendigkeit zur inhalativen Applikation stark eingeschränkt. Zanamivir kann eine Bronchoobstruktion auslösen und ist deshalb bei Patienten mit Asthma oder chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) kontraindiziert. 

Die CDC zeigte sich gegenüber der Presse überrascht über die Zunahme der Oseltamivir-Resistenzen, da Tamiflu im letzten Jahr kaum eingesetzt wurde.

Nach derzeitiger Studienlage muss der Neuraminidase-Inhibitor innerhalb der ersten 48 Stunden der Erkrankung eingenommen werden, um den Verlauf der Erkrankung abzuschwächen. Die meisten Patienten dürften erst später zum Arzt gehen oder in der Klinik aufgenommen werden.

Ob das Medikament dann noch die Klinikdauer verkürzen und die Sterblichkeit senken kann, wie jüngste Beobachtungsstudien vermuten lassen (Clinical Infectious Diseases 2007; 45: 1568-1575; Antiviral Therapy 2007; 12: 501-8), ist nach Auskunft der CDC nicht durch prospektive Studien gesichert. 

Man darf vermuten, dass die Resistenzen ihren Ursprung in Ostasien haben, wo Tamiflu großzügiger eingesetzt wird. Wichtig ist der Hinweis, dass derzeit nichts darauf hindeutet, dass die resistenten Viren eine erhöhte Virulenz oder Pathogenität haben. Die beiden Behörden gehen davon aus, dass die Grippeimpfung in diesem Jahr eine gute Wirkung erzielt und fordern die Bevölkerung auf, diese Chance nicht ungenutzt zu lassen. © rme/aerzteblatt.de 

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