9.764 News Medizin

Medizin

Schlafmangel als koronarer Risikofaktor

Montag, 29. Dezember 2008

Chicago – Nachtschwärmer aufgepasst: Schlafmangel könnte auf Dauer das Herzinfarktrisiko erhöhen. In einer prospektiven Kohortenstudie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2008; 300: 2859-2866) waren kurze Schlafzeiten überraschend deutlich mit Ablagerungen von Kalk in den Koronararterien assoziiert.

Die Coronary Artery Risk Development in Young Adults- oder CARDIA-Studie ist die erste Beobachtungsstudie, die den Einfluss der Schlafdauer auf das Risiko von Koronarverkalkungen untersucht hat. An der Studie beteiligten sich 495 Männer und Frauen im Alter von 37 bis 47 Jahren, bei denen in einer ersten quantitativen Computertomografie noch keine Koronarverkalkungen sichtbar waren. Bei einer zweiten Untersuchung 5 Jahre danach betrug die Inzidenz der Koronarsklerose 12,3 Prozent. 

Das Auftreten von Kalkablagerungen war nicht nur mit den etablierten koronaren Risikofaktoren wie männliches Geschlecht, Alter, Glukoseintoleranz, Rauchen, Dyslipidämie, Hypertonie, Adipositas, C-reaktives Protein und niedrigem Bildungsstand (als Surrogatmarker einer ungesunden Lebensweise) assoziiert, sondern – unabhängig davon – auch mit der Schlafdauer.

Diese hatte die Gruppe um Diane Lauderdale von der Universität Chicago mithilfe der Aktigraphie aufgezeichnet. Die Teilnehmer hatten zweimal über 6 Tage ein kleines Gerät von der Größe einer Armbanduhr getragen. Es enthält einen Akzelerometer (wie er auch in “Wii”-Konsolen oder dem iPhone enthalten ist), der Bewegungen erkennt. Da die Arme im Schlaf während der meisten Zeit ruhig gehalten werden, kann die Aktigraphie die aktuelle Schlafzeit besser angeben wie ein Schlaftagebuch, das die Teilnehmer ebenfalls führten.

Teilnehmer mit den kürzesten Schlafzeiten wiesen am häufigsten Koronarverkalkungen auf. Eine gewisse negative Assoziation hatte Lauderdale zwar erwartet, da frühere epidemiologische und experimentelle Befunde gezeigt hatten, dass Schlafmangel verschiedene koronare Risikofaktoren wie Übergewicht, Glukosestoffewechsel oder Hypertonie beeinflusst.

Das quantitative Ausmaß des Schlafmangels war jedoch eine Überraschung. Eine zusätzliche Stunde Schlaf am Tag war mit einem um 33 Prozent verminderten Risiko auf eine Koronarverkalkung assoziiert (adjustierte Odds Ratio 0,67; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,49-0,91). Das entspricht in etwa der Risikominderung durch die Senkung des systolischen Blutdrucks um 16,5 mm Hg. Der Einfluss des Schlafes konnte nicht auf die bekannten Risikofaktoren zurückgeführt werden, es musste also eine andere Erklärung geben.

Eine Kausalität zwischen Schlafmangel und Koronarsklerose kann die Beobachtungsstudie nicht belegen. Es ist denkbar, dass ein weiterer bisher nicht bekannter Risikofaktor sowohl zum Schlafmangel als auch zur Koronarverkalkung führt. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit, die Lauderdale nennt, ist der während der Nachtzeit niedrigere Blutdruck. Schließlich könnte auch der mit einem Schlafmangel verbundene Anstieg des Stresshormons Cortisols eine Rolle spielen.

Für Schlafforscher steht aber fest, dass die heutigen Menschen zu wenig erholsamen Schlaf erhalten. Die durchschnittliche Schlafdauer ist in den westlichen Gesellschaften in den letzten Jahrzehnten von 9,0 auf 7,5 Stunden zurückgegangen. 

Eine weitere prospektive Beobachtungsstudie aus Japan hatte kürzlich gezeigt, dass zu wenig Schlaf bei Hypertonikern das Risiko erhöht, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Besonders gefährdet waren in dieser Untersuchung Hypertoniker, bei denen es nachts nicht zu einem Abfall des Blutdrucks kommt (Archives of Internal Medicine 2008; 168: 2225-2231). © rme/aerzteblatt.de

 

Anzeige

DÄ-Meldung: Schlafmangel als kardiales Risiko bei Hypertonikern

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?p=schlaf&src=suche&id=34345

Drucken Versenden Teilen
9.764 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in