Medizin

Parkinson: Tiefenhirn­stimulation wirksamer, aber riskanter als Medikamente

Mittwoch, 7. Januar 2009

Hines – Bei Patienten mit fortgeschrittenem Morbus Parkinson ist eine tiefe Hirnstimulation hilfreicher als Medikamente. Das zeigte sich bei der bisher größten randomisierten Vergleichsstudie. Die Publikation im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 30: 63-73) bestätigt frühere Ergebnisse der Deutschen Parkinson-Studiengruppe, weist aber auch auf einige Risiken des Eingriffs hin, den ein Editorialist dennoch als den „wichtigsten Fortschritt seit der Entdeckung von Levodopa“ einstuft.

Vor anderthalb Jahren hatten Günther Deuschl von der Universität Kiel und die Deutsche Parkinson-Studiengruppe die Ergebnisse der ersten größeren Vergleichsstudie zur Wirkung der tiefen Hirnstimulation vorgestellt (NEJM 2006; 355: 896-908).

Damals waren 156 Patienten mit fortgeschrittener Parkinsonerkrankung (Durchschnittsstadium nach Hoehn and Yahr 3,7; Krankheitsdauer 13 Jahre) auf eine Stimulierung der subthalamischen Kerne oder eine medikamentöse Therapie randomisiert worden.

An der aktuellen US-Studie unter Frances Weaver von der Veteranenklinik in Hines/Illinois beteiligten sich 255 Patienten (Hoehn and Yahr 3,5; Dauer zwölf Jahre). Hier wurde die medikamentöse Therapie mit zwei Varianten der tiefen Hirnstimulation verglichen. Bei einem Teil wurde die Sonde, wie in der deutschen Studie, bis zum Nucleus subthalamicus vorgeschoben, bei den anderen wurde das Globus pallidus stimuliert. 

Die Wirksamkeit der tiefen Hirnstimulation war in beiden Studien gleich: Sie verlängerte die on-Zeit (der guten Symptomkontrolle), steigerte die Mobilität der Patienten und verbesserte deren Lebensqualität – und zwar in beiden Studien in vergleichbarer Größenordnung, wie Deuschl im Editorial anmerkt (JAMA 2009; 301: 104-106). 

Beide Studien dokumentieren jedoch auch die Risiken des Eingriffs, der immerhin die neurochirurgische Implantation eines Fremdkörpers in der Tiefe des Großhirns erfordert. Wie in der deutschen gab es auch in der US-Studie einen Todesfall nach einer Hirnblutung.

Das Risiko einer Infektion am Implantationsort wird in der US-Studie (in den ersten sechs Monaten) sogar mit 9,9 Prozent angegeben – die deutsche Studie nennt zwei Infektionen. Auch Stürze und Dyskinesien werden von den US-Forschern häufiger dokumentiert.

Schließlich sind Weaver und Mitarbeiter auch der Frage nachgegangen, ob die tiefe Hirnstimulation negative Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten der Patienten hat, wie jüngst vermutet wurde. Ergebnis: Die exekutiven Funktionen werden zwar nicht beeinträchtigt, doch ein leichter Abfall der Gedächtnisleistung und der visuell-motorischen Fähigkeiten mussten festgestellt werden. 

Weaver meint, dass die Risiken der tiefen Hirnstimulation „weder unterschätzt noch überschätzt“ werden sollten, es handele sich um eine invasive Therapie, die bei jedem Patienten eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfordere.

Für Deuschl steht dennoch fest, dass die tiefe Hirnstimulation ein wichtiger Fortschritt in der Behandlung der schweren Parkinson-Erkrankung ist, worin sie sich von anderen experimentellen Ansätzen wie der Transplantation embryonaler Stammzellen oder der Gentherapie unterscheide, die beide die anfangs in sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllten. © rme/aerzteblatt.de

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