Politik

Studie sieht Einsparreserven in Milliardenhöhe – Ärzte brüskiert

Donnerstag, 8. Januar 2009

Berlin – Die gesetzlichen Krankenkassen könnten 5,6 bis 9,8 Milliarden Euro einsparen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die arbeitgebernahe Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) am Donnerstag vorgelegt hat.

„Der einheitliche Beitragssatz könnte um 0,6 bis ein Prozentpunkte niedriger liegen, ohne dass es zu Qualitätseinbußen im Gesundheitswesen kommt“, sagte der Autor der Studie, Stefan Felder von der Universität Duisburg-Essen.

Für die Untersuchung verglichen das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung und der Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie der Universität Duisburg-Essen die Ausgaben für medizinische Leistungen in allen Bundesländern. Sie stellten dabei erhebliche Unterschiede fest.

Als „höchst fragwürdig“ bezeichnete die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) die Studie. „Die Schlussfolgerungen der heute vorgelegten Studie sind Gesundheitspolitik auf Stammtischniveau, ohne die Konsequenzen zu bedenken“, sagte der Vorsitzende des MB, Rudolf Henke. Zwar sei nichts dagegen einzuwenden, bundesweit die Kosten für Gesundheitsleistungen zu vergleichen.

„Aber dabei kann man doch nicht die schlechtesten Vergütungen und die dünnste Versorgung zum Standard machen“, betonte Henke und fragte, wer den Studienautoren angesichts der unterschiedlichen Anzahl an Behandlungsfällen in den jeweiligen Ländern sage, wo das medizinisch optimale Niveau liege.

„Der Grundirrtum der Studie liegt darin, dass jeder regionale Unterschied unmittelbar als Effizienzreserve gewertet wird. Das ist schon deshalb vermessen, weil Erkrankung und Genesung nicht – auch nicht von Instituten – normierbar sind“, so Henke.

„Immer die gleiche Leier“, kommentierte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum. „Bei 60 Prozent Personalkosten bedeutet jede Milliarde Euro weniger für die Kliniken den Entzug von Mitteln zur Finanzierung von rund 15.000 Arbeitsplätzen. Bei der Streichung von vier Milliarden Euro für die Krankenhäuser würden damit rund 60.000 Arbeitsplätze verloren gehen. In diesen schwierigen Zeiten, in denen sich alles darauf konzentriert, Arbeitsplätze zu sichern, ist dies ein kontraproduktiver Vorschlag“, betonte er.

Der GKV-Spitzenverband zeigte zwar Bereitschaft zum Sparen, klagte aber über Hindernisse auf diesem Weg. „Die Krankenkassen fordern seit langem mehr Wettbewerb in der stationären Versorgung“, sagte eine Sprecherin.

Individuell verhandelte Verträge mit Kliniken und Ärzten könnten die Effizienz steigern. In der Krankenhausreform fehle dieser Aspekt aber völlig. Auch bei den Arzneimittelausgaben könne gespart werden. Dies hänge aber von der Verschreibungspraxis der Ärzte ab. „Sparen um des Sparens Willen nützt ohnehin keinem“, betonte die Sprecherin. Die Qualität der Versorgung dürfe nicht leiden.

Auch die Apotheker kommentierten die Untersuchung: „Eine Studie für den Papierkorb“, so das Fazit der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. ©  hil/aerzteblatt.de

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