9.895 News Medizin

Medizin

Neugeborenenscreening: Pulsoxymetrie erkennt angeborene Herzfehler

Freitag, 9. Januar 2009

Göteburg – Die Pulsoxymetrie verbessert die Früherkennung schwerer Herzvitien, die mit einer verminderten Sauerstoffsättigung des Bluts einhergehen. Das zeigt eine prospektive Kohortenstudie aus Schweden im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 338: a2663).

Etwa 1-1,8 auf 1.000 Kinder werden mit einem schweren Herzfehler geboren, der nur dank eines persistierenden Ductus arteriosus überlebensfähig ist. Die routinemäßige pädiatrische Untersuchung in den ersten Lebenstagen ist erfahrungsgemäß nicht in der Lage, alle Fälle zu erkennen, weshalb seit einiger Zeit die Pulsoxymetrie als einfache und kostengünstige Zusatzuntersuchung im Gespräch ist. Sie erkennt die infolge des offenen Ductus verminderte Sauerstoffsättigung des Blutes. 

In der Provinz Västra Götaland (Umland von Göteborg) wurde das Screening im Juli 2004 eingeführt. Bis März 2007 wurden fast 40.000 Neugeborene untersucht, wobei darauf geachtet wurde, dass die Pulsoxymetrie vor der körperlichen Abschlussuntersuchung in der Geburtsklinik stattfand.

Wie die Gruppe um Ingegerd Östman-Smith von der Universität Göteborg berichtet, verbessert die Pulsoxymetrie die Detektionsrate gegenüber der alleinigen klinischen Untersuchung von 62,5 auf 82,8 Prozent.

Nimmt man jene Fälle hinzu, bei denen bereits vor der Entlassung ein Herzvitium diagnostiziert wurde, stieg die Detektionsrate auf 92 Prozent. In Regionen Schwedens ohne Pulsoxymetrie-Screening wurden nur 72 Prozent der Vitien entdeckt, wie die Recherchen in den Herzkliniken und den Sterberegistern zeigten.

Auch die Rate falschpositiver Befunde war mit 0,17 Prozent deutlich geringer als bei der körperlichen Untersuchung (1,90 Prozent). Hinzu kommt, dass bei etwa der Hälfte der Säuglinge mit einem falsch positiven Befund in der Pulsoxymetrie andere Erkrankungen diagnostiziert wurden, die für die niedrige Sauerstoffsättigung verantwortlich waren.

Das Screening ist nach Ansicht von Östman-Smith notwendig, weil die frühzeitige Diagnose in der Geburtsklinik die Sterblichkeit an den Herzvitien von 18 Prozent auf 0,9 Prozent senkt. In Västra Götaland wurde seit Einführung des Screenings kein Kind mehr verloren, in den anderen Regionen starben fünf Kinder.

Diese Daten überzeugen den Editorialisten Keith Barrington von der Université de Montréal. Wegen der fehlenden Risiken und der geringen Kosten sollte die Pulsoxymetrie überall eingeführt werden, wo den Kindern eine herzchirurgische Versorgung angeboten werden kann (BMJ 2009; 338: a2663). © rme/aerzteblatt.de

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
9.895 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in