Medizin

Medikamente mobilisieren Stammzellen im Knochenmark

Montag, 12. Januar 2009

London – Britische Forscher schlagen eine neue Variante der Stammzelltherapie vor. Statt dem Patienten die Zellen von außen zuzuführen, könnte das Reservoir an körpereigenen Stammzellen aus dem Knochenmark genutzt werden. In Cell Stem Cell (2009; 4, 62-72) beschreiben sie an Mäusen, wie sich mesenchymale und endotheliale Stammzellen mobilisieren lassen.

Die Idee, die Sara Rankin vom Imperial College in London verfolgt, ist eigentlich nicht neu. Nach Knochenmarktransplantationen, die nichts anderes als eine hämatopoetische Stammzelltherapie sind, werden schon seit längerem sogenannte Granulozyten-koloniestimulierende Faktoren (G-CSF) eingesetzt, um die Regeneration des Knochenmarks zu beschleunigen.

Das Knochenmark enthält jedoch auch Stammzellen anderer Zelllinien. Sara Rankin kann jetzt erstmals zeigen, wie dieses Potential genutzt werden könnte. Durch die gezielte Gabe von Wachstumsfaktoren konnte sie die einzelnen Stammzelllinien im Knochenmark aktivieren.

Danach wurden die Mäuse mit einem weiteren derzeit noch experimentellen Wirkstoff behandelt. Er löst die Zellen aus dem Zellverband des Knochenmarks und ermöglicht dadurch einen Übertritt ins periphere Blut. Diese Mobilisierung gelingt durch Gabe von Plerixafor. Es handelt sich um einen Antagonisten des Chemokinrezeptors CXCR4.

Wurde der „vascular endothelial growth factor“ (VEGF) mit Plerixafor kombiniert, traten sowohl mesenchymale Stammzellen, als auch endotheliale Vorläuferzellen im Blut auf. Die mesenchymalen Stammzellen hätten das Potenzial, Knochen- und Knorpelgewebe zu erneuern.

Sie sollen auch die Aktivität von Entzündungszellen im Körper dämpfen und könnten deshalb ein neuer Behandlungsansatz bei Autoimmunerkrankungen sein. Die endothelialen Vorläuferzellen könnten die Bildung neuer Blutgefäße veranlassen und so beispielsweise die Durchblutung in infarziertem Gewebe des Herzens fördern.

Ob dies wird, ist völlig offen. Denn die Forscher konnten bisher nur zeigen, dass die Stammzellen mobilisiert werden, nicht aber, dass sie sich auch in die gewünschten Körperzellen ausdifferenzieren und am gewünschten Ort ihre Reparaturtätigkeit aufnehmen. Zudem ist nicht sicher, dass die Experimente an der Maus auf den Menschen übertragbar sind.

Ein weiteres Ergebnis der Studie könnte aber erklären, warum bisherige Versuche einer Stammzelltherapie des Herzinfarkts erfolglos blieben. Bei diesen Studien waren die Stammzellen den Herzinfarktpatienten in die Koronarien infundiert (und teilweise auch in den Herzmuskel injiziert) worden.

Häufig wurde die Therapie mit G-CSF kombiniert, in der Hoffnung, dass dieser Wachstumsfaktor die Arbeit der Stammzellen unterstützt. Nach den tierexperimentellen Untersuchungen von Rankin könnte jedoch das Gegenteil der Fall sein.

In den Mäuseexperimenten konnten die mensenchymalen Stammzellen nur durch Vorbehandlung mit VEGF vermehrt werden, während die Behandlung mit G-CSF dies verhinderte. Welche Art von Stammzellen mobilisiert wird, hängt offenbar sehr stark von der Zusammensetzung des  “Cocktails” aus Wachstumsfaktoren ab. © rme/aerzteblatt.de

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