Ausland

Geburten in armen Ländern 300 Mal gefährlicher als in reichen

Donnerstag, 15. Januar 2009

Köln – Frauen in den ärmsten Ländern der Welt haben ein dreihundert Mal höheres Risiko, an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt zu sterben als in den Industrieländern.

In keinem Bereich der Gesundheitsversorgung sei die Kluft zwischen reichen und armen Weltregionen so groß wie bei der medizinischen Versorgung von werdenden Müttern, erklärte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF am Donnerstag bei der Vorstellung seines Jahresberichts „Zur Situation der Kinder in der Welt 2009“. Demnach sterben jährlich etwa 530.000 Frauen an Komplikationen während der Schwangerschaft oder Geburt.

99 Prozent dieser Todesfälle entfallen laut UNICEF auf die Entwicklungsländer, zwei Drittel allein auf nur zehn Länder. Am höchsten ist das Risiko für Frauen in Afrika (265.000 Todesfälle) und Südasien (187.000 Todesfälle).

Vier Fünftel der Todesfälle könnten verhindert werden, wenn Schwangere Zugang zu einer regelmäßigen medizinischen Grundversorgung hätten. Todesursachen sind etwa Blutungen, Infektionen, Vergiftungen und Geburtskomplikationen oder unsachgemäße Abtreibungen.  

Weil es zu wenig Geburtsstationen, Hebammen oder medizinisches Fachpersonal gibt, bringen  UNICEF zufolge mehr als 60 Prozent der Frauen in Afrika und in Asien ihre Kinder zu Hause unter oft unhygienischen Bedingungen zur Welt. Bei mehr als der Hälfte dieser Geburten ist kein Fachpersonal anwesend.

„Seit 1990 starben zehn Millionen Frauen an Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt“, erklärte UNICEF-Direktorin Ann Veneman. Um das Risiko für Mütter und Neugeborene zu verringern, brauche es neben medizinischer Hilfe jedoch auch bessere Bildungschancen für Mädchen.

Die Regierungen müssten mehr investieren, um die Gesundheitssysteme für die ärmsten Familien in den Entwicklungsländern zu stärken, forderte UNICEF.

Besonders wichtig sei es, die Ausbildung von Hebammen, Ärzten und medizinischem Personal auszuweiten und Anreize dafür zu schaffen, dass diese auch in ländlichen Regionen arbeiten. © afp/aerzteblatt.de

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