Medizin

Pneumokokkenimpfstoff: Weniger Meningitis – Mehr Resistenzen

Donnerstag, 15. Januar 2009

Pittsburgh – Seit der Einführung des 7-valenten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffs (PV7) ist in den USA die Zahl der Meningitis-Erkrankungen, die von diesem Impfstoff erfasst werden, deutlich gesunken.

Die Zahl der Meningitiden durch Non-PV7-Serotypen steigt einer Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2009; 360: 244-256) jedoch langsam an. Darunter sind zunehmend auch antibiotikaresistente Stämme.

In den USA wurde der PV7 im Jahr 2000 eingeführt. Er wird trotz der Notwendigkeit mehrerer Impftermine von der Bevölkerung gut angenommen. Im Jahr 2006 hatten mehr als zwei Drittel der Kinder die komplette Serie von vier oder mehr Impfungen erhalten.

Die berechtigte Angst vor einer tödlichen Meningitis dürfte die Motivation der Bevölkerung gefördert haben und die jetzt von Lee Harrison von der Universität Pittsburgh vorgestellten Zahlen zeigen, dass die Meningitiserkrankungen durch Pneumokokken insgesamt seltener geworden sind. Seit Einführung der Impfung ist die Inzidenz von 1,13 auf 0,79/100.000 Einwohner gefallen, was einem Rückgang um 30 Prozent entspricht. 

Dies ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Impfungen können zwar Erreger eradizieren. Sie hinterlassen jedoch – in diesem Fall im Rachenraum – eine ökologische Nische, die von anderen Bakterien besetzt wird.

Es war zu befürchten, dass dazu auch die nicht vom Impfstoff erfassten Non-PCV-7-Serotypen der Pneumokokken gehören würden. Vor drei Jahren wurde ein solcher Trend bereits dokumentiert (NEJM 2006; 354: 1455-1463). Er hat sich seither fortgesetzt.

Meningitiden durch Non-PCV-7-Serotypen waren 1998/1999 noch in der Minderheit, 2004/2005 waren sie für die meisten Erkrankungen verantwortlich. Solange die Gesamtzahl der Pneumokokken-Meningitiden zurückgeht, stellt dies den Erfolg der Impfung nicht infrage.

In den letzten Jahren (Zeitraum 2003 bis 2005) ist jedoch eine weitere Entwicklung eingetreten, die Impfexperten verblüfft und Ärzte beunruhigt: Die Non-PCV-7-Stämme werden zunehmend resistent gegen Penicillin. Der Anteil der Stämme, bei denen dieses Antibiotika versagt, ist von 19,4 im Jahr 2003 auf 30,1 Prozent im Jahr 2005 gestiegen.

Die Impfexperten hatten gehofft, dass die Impfung die Zahl der Infektionen mit resistenten Erregern senkt. Dies scheint nicht der Fall zu sein. Ärzte könnte die Entwicklung im Einzelfall vor erhebliche Probleme stellen, denn die Zahl der Antibiotika, die ausreichende Konzentrationen im Liquor erreichen, ist begrenzt.

Vor einigen Jahren hatten Forscher ausgerechnet, dass der unkontrollierte Einsatz von Antibiotika vor allem im Kindesalter langfristig den Erfolg der PV7-Impfung gefährdet. © rme/aerzteblatt.de

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