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Studie: GM-SCF kann Sepsis bei extremen Frühgeburten nicht verhindern

Freitag, 16. Januar 2009

London – Ihr unreifes Immunsystem macht Frühgeborene in den ersten Lebenswochen besonders anfällig gegenüber Infektionen. Die Therapie mit dem Wachstumsfaktor (GM-CSF) konnte in einer britischen Studie zwar die Neutropenie reduzieren. Die Prognose besserte sich laut der Publikation im Lancet (2009; 373: 226-233) indes nicht.

Es handelt sich um das enttäuschende Ende einer ambitionierten Studie. An 26 Kliniken in England und Wales waren 141 von 280 Frühgeborenen (31. Woche oder früher; Geburtsgewicht durchschnittlich 750 Gramm) innerhalb der ersten 72 Stunden nach der Geburt mit GM-CSF behandelt worden. Die übrigen 139 Patienten erhielten nur die Standardversorgung.

Die subkutanen Injektionen wurden an den folgenden Tagen wiederholt und erzielten auch die erwartete hämatologische Wirkung. Es kam zu dem Anstieg der neutrophilen Granulozyten. Doch die erhoffte Verbesserung der Immunabwehr blieb aus. Die Kinder erkrankten keinesfalls seltener an schweren Infektionen.

Der primäre Endpunkt eines sepsisfreien Überleben wurde von 93 der 139 behandelten Kinder und damit seltener als in der Kontrollgruppe erreicht, wo 105 der 141 nicht behandelten Patienten dieses Ziel erreichten. Eine Meta-Analyse, die frühere Publikationen einschloss, bestätigte, dass der Einsatz der teuren Medikamente die Überlebenschancen von extremen Frühgeburten nicht verbesserte. 

Es hätte nicht viel gefehlt und die Therapie mit GM-CSF hätte in die Liste jener Behandlungen eingereiht werden müssen, die Neugeborenen eher Schaden zufügt als nützt (zum Beispiel hoch dosierte Sauerstofftherapie). Die präventive Gabe von GM-CSF sollte nach dieser Studie nicht mehr erfolgen, schreibt der Editorialist Frank Shann vom Royal Children’s Hospital in Melbourne (Lancet 2009; 373: 188-189).

Dies schließe allerdings nicht aus, dass die kombinierte Gabe mit Immunglobulinen sinnvoll sein könnte. Denkbar sei auch, dass GM-CSF (oder das verwandte G-CSF) bei etablierter Sepsis bei Neugeborenen die Behandlungsergebnisse verbessert. Dies müsste nach den negativen Ergebnissen der aktuellen Studie jedoch erst in einer randomisierten klinischen Studie belegt werden, fordert Shann. © rme/aerzteblatt.de

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