Medizin

Reproduktionsmedizin: 34-Jährige nach Radio-Chemotherapie schwanger

Dienstag, 20. Januar 2009

Düsseldorf – Viele Krebstherapien zerstören die Keimzellen. Paare können sich jedoch die Option eines späteren Kinderwunsches offen halten, wenn der Patientin vor der Strahlen- oder Chemotherapie Eizellen für eine In-vitro-Fertilisation entnommen werden.

Das Kinderwunschzentrum des Universitätsklinikums Düsseldorf dokumentiert erstmals für Deutschland den Fall einer Krebspatientin, die nach einer Chemotherapie schwanger wurde.

Die 34-jährige Frau war im Jahr 2007 an einem vaginalen Plattenepithelkarzinom erkrankt, das operativ und mit einer kombinierten Radio-Chemotherapie in der Düsseldorfer Universitätsklinik behandelt wurde. Da die Frau einen Kinderwunsch äußerte, wurden ihr vor der Radio-Chemotherapie, die absehbar zur Unfruchtbarkeit führte, Eizellen aus dem Ovar entnommen.

Sie wurden befruchtet und im sogenannten Vorkernstadium konserviert. Erst ein Jahr später, nach dem Anschluss der Krebstherapie, wurden die Eizellen in die Gebärmutter implantiert. Die Frau hatte vorher eine Hormonbehandlung erhalten, um das Endometrium auf die Schwangerschaft vorzubereiten. 

Die Patientin erlebe eine bislang komplikationslos verlaufende Schwangerschaft, und werde aktuell in der 15. Woche von ihrer Frauenärztin betreut wird, berichtet Jan Krüssel vom Universitätsklinikum Düsseldorf.

Der Leiter der dortigen Kinderwunschambulanz kann nicht mit Sicherheit ausschließen, dass bereits früher derartige Behandlungen in Deutschland durchgeführt wurden. Da die Stimulationen hierzulande schon seit einigen Jahren praktiziert werde, sei es sogar wahrscheinlich, dass es auch in Deutschland bereits zu einer „Schwangerschaft nach Krebs“ gekommen sei.

Es sei aber der erste publizierte Fall und die erste Meldung an das 2006 von deutschen Universitätskliniken gegründete Netzwerks „Fertiprotekt“, über das die deutschen Repromediziner ihre Erfahrungen austauschen wollen.

Die IVF-Behandlung von Krebspatienten bezeichnet Krüssel als schwierig. Was sich technisch unkompliziert anhöre, müsse im Zusammenspiel aus persönlichen Lebensumständen, Art der Krebserkrankung und der Fertilitätsbehandlung betrachtet werden.

Bei der 34-jährigen Frauen lagen einige günstige Umstände vor: Der Tumor habe nicht sensibel auf das Sexualhormon Östrogen reagiert (zur Vorbereitung des Endometriums werden Östrogene verabreicht, was die IVF bei östrogenabhängigen Malignomen wegen des Rezidivrisikos unter Umständen verbietet).

Außerdem habe zum Zeitpunkt der Erkrankung eine feste Partnerschaft bestanden, sodass bereits befruchtete Eizellen verwendet werden konnten, was die Schwangerschaftschancen erhöhe. Auch das junge Alter der Patientin habe sich ebenso günstig auf die statistischen Chancen einer möglichen Schwangerschaft ausgewirkt wie auch die Anzahl der entnommenen Eizellen. © rme/aerzteblatt.de

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