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Neuer Anlauf zur Polio-Eradikation

Donnerstag, 22. Januar 2009

San Diego – Rotary International, die weltweit agierende philanthropische Gesellschaft zumeist wohlhabender Geldgeber, ist es gelungen die Regierungen Großbritanniens und Deutschlands zur Unterstützung der von ihr wesentlich getragenen Global Polio Eradication Initiative zu bewegen. Auch die Bill & Melinda Gates Foundation will weitere Mittel bereitstellen. 

Die britische Regierung spendete 100 Millionen Pfund, Deutschland gibt 100 Millionen Euro und der Microsoft-Gründer 255 Millionen US-Dollar. So mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar zusammen, welche die Global Polio Eradication Initiative dringend benötigt.

Denn entgegen dem Optimismus, den beispielsweise die Pressemitteilung des deutschen Rotary Clubs verbreitet, wurden im letzten Jahr keine realen Fortschritte bei der Reduzierung von Neuerkrankungen gemacht, jedenfalls nicht in dem am meisten betroffenen Land Nigeria, in dem die Zahl der Erkrankungen im letzten Jahr auf 790 gegenüber 278 im Vorjahr wieder deutlich angestiegen ist (Zahlen jeweils bis 28. Dezember).

Erneut ist es auch zu einer Ausbreitung in die Nachbarländer Niger, Tschad und von dort in den Sudan gekommen. Das Epizentrum ist der muslimische Norden Nigerias. Hier war es Mitte 2003 zum Zusammenbruch der Impfkampagne gekommen, nachdem sich in der Bevölkerung das Gerücht ausbreitete, der christliche Süden wolle durch die Impfung die muslimische Bevölkerung im Norden sterilisieren oder gar mit HIV infizieren. Was nicht zutrifft.

Wahr scheint aber zu sein, dass der christliche Süden kein besonderes Interesse an der Polio-Eradikation im Norden hat, denn trotz vorhandener finanzieller Ressourcen des erdölreichen Landes wurden zuletzt nur 21 Millionen US-Dollar investiert.

Indien dagegen gab mehr als 600 Millionen US-Dollar aus. Dort ist die Zahl der Erkrankungen leicht gesunken (von 756 in 2007 auf 552 in 2008; jeweils bis 28. Dezember).

Einen Rückschritt erlebte die Kampagne jüngst auch in Pakistan und in Afghanistan, und zwar in jenen Regionen, in denen die Taliban stark vertreten sind und Impfungen häufig nicht möglich sind.

Wenn es nicht gelingen sollte, die Impfungen in den Problemzonen fortzusetzen, dürften sich die Poliomyelitisviren wieder rasch ausbreiten. Die Gefahr würde auch nach der letzten Kinderlähmung weiter bestehen, weil einige Patienten die Viren lebenslang ausscheiden. Es dürfte deshalb nicht der letzte Spendenaufruf der Rotarier gewesen sein. © rme/aerzteblatt.de

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