Medizin

Studie: Mehr Patientensicherheit durch elektronische Krankenakte

Dienstag, 27. Januar 2009

Dallas – Die Einführung moderner Informationstechnologien verbessert die Patientensicherheit und senkt gleichzeitig die Behandlungskosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine US-Studie in den Archives of Internal Medicine (2009; 169: 108-114).

fotolia

Anzeige

In jeder fünften Klinik in Texas werden die Befunde medizinischer Untersuchungen elektronisch übermittelt, in jeder siebten Klinik können die Ärzte ihre Untersuchungen am Computer bestellen, jede zehnte kennt die elektronische Krankenakte und jede zwanzigste hat Expertensysteme („decision support“) eingerichtet, welche die Ärzte (etwa bei der Auswahl der Medikamente) unterstützt.

Die Investitionen haben sich sowohl für die Klinik als auch für die Patienten gelohnt, findet Ruben Amarasingham vom Southwestern Medical Center der Universität in Dallas. Der Forscher hat Ärzte an 41 Kliniken in Texas nach der Ausstattung und Verwendung der Informationstechnologie befragt und die Antworten im Fragebogen dann mit den Qualitätsdaten der Kliniken in Verbindung gesetzt.

Zwar ein gewagtes Unternehmen, wenn man bedenkt, dass neben der Informationstechnologie noch andere Faktoren die Qualität der Klinikbehandlung beeinflussen. Und da es sich um eine Querschnittsstudie handelt (und nicht etwa um einen prospektiven Vorher-Nachher-Vergleich), dürfte die Aussagekraft der gefundenen Assoziationen ohnehin begrenzt sein.

Amarasingham hat in seiner Analyse lediglich die Risikofaktoren der Patienten sowie Größe, Besitzverhältnisse und finanzielle Situation (“total margin”) der Kliniken in seinen Berechnungen berücksichtigt, deren Ergebnisse sehr schmeichelhaft für die Befürworter der Informationstechnologie ausfallen.

In den Kliniken, in den die elektronischen Krankenakten am weitesten verbreitet sind (oberes Drittel), lag die Sterblichkeit der Patienten um 15 Prozent niedriger als in Kliniken, in denen die Ärzte noch mit Papierakten arbeiten und möglicherweise nicht immer den Überblick über die Situation ihrer Patienten behalten.

Bezogen auf die gesamten USA würde die Einführung der elektronischen Krankenakten potenziell 100.000 Menschenleben retten, heißt es in einer Pressemitteilung der Johns Hopkins Medical Institutions, deren Wissenschaftler ebenfalls an der Studie beteiligt waren.

Während die Auswirkungen der Befundübermittlung gering waren, hatte die Möglichkeit der elektronischen Anforderung von Therapien (“order entry”) eine positive Auswirkung. Sie war bei den Herzinfarktpatienten mit einer Senkung der Sterblichkeit um 9 Prozent und bei Bypass-Patienten sogar um 55 Prozent assoziiert. Dagegen wurde bei Patienten mit Herzinsuffizienz oder Pneumonie keine signifikante Auswirkung gefunden.

Beeindruckend waren für den Editorialisten David Bates vom Brigham and Women's Hospital in Boston auch, dass die Einführung von Expertensystemen das Risiko von Komplikationen (bei Pneumonien) um 21 Prozent senkt (Arch Intern Med 2009; 169: 105-107).

Schließlich glaubt Amarasingham auch nachweisen zu können, dass die Informationstechnologie helfe, die Klinikkosten zu senken, obwohl der Einfluss auf die Liegezeit in der Klinik offenbar minimal war, wie aus Tabelle 5 zu entnehmen ist.

Amarasingham und auch den Editorialisten ist klar, dass sich gegen Studien dieser Art eine Vielzahl von Einwände erheben lassen bis hin zu dem kaum zu messenden Einfluss, den eine “Kultur der Patientensicherheit” in einer Klinik haben kann.

Klar dürfte aber auch sein, dass über kurz oder lang keine Klinik um die Einführung der Informationstechnologie herum kommt. Für mittelgroße und große Kliniken sei dieser Moment bereits gekommen, meint der Editorialist. © rme/aerzteblatt.de 

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige