Medizin

Nierentransplantation: Lebendspende langfristig sicher

Donnerstag, 29. Januar 2009

Minneapolis – Wer anderen Menschen eine Niere spendet, hat dadurch auch langfristig keine gesundheitlichen Nachteile. In einer Studie im New England Journal of Medicine (2009; 360: 459-469) hatten die Lebendspender eine normale Lebenserwartung, auch das Risiko eines dialysepflichtigen Nierenversagens war nicht erhöht. 

Der Nephrologe Hassan Ibrahim von der Universität von Minnesota in Minneapolis ist dem Schicksal aller 3.698 Menschen nachgegangen, denen seit 1963 an der Klinik eine Niere für eine Transplantation entnommen wurde. 11 Spender sind (soweit bekannt) seither an einem Nierenversagen erkrankt, das im Durchschnitt 22,5 Jahre nach der Lebendspende auftrat.

Das bedeutet nicht, dass das Nierenversagen eine Spätfolge der Nierenspende war. Den Berechnungen Ibrahims zufolge liegt die Inzidenz mit 180/1 Mio. Personen und Jahr sogar unter der Rate von 268/1 Mio. Personen und Jahr in der Allgemeinbevölkerung.

Auch dies ist keine Überraschung, denn für eine Nierenspende kommen nur nierengesunde Menschen infrage. Auch am Transplantationszentrum in Minneapolis wurde sorgfältig geprüft, dass die Spender keine Erkrankungen wie Diabetes, Hypertonie hatten, welche die Niere schädigen können. Ein weiteres Kriterium war, dass die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) über 80 ml/min/1,73m2 betrug. 

Seit 2003 werden die Spender regelmäßig auf einen Abfall der GFR hin untersucht. Im Durchschnitt 12,2 Jahre nach der Spende hatten 85,5 Prozent der Spender eine GFR von über 60 ml/min/1,73 m2. Eine Hypertonie hatten 32,1 Prozent und eine Albuminurie 12,7 Prozent der Spender entwickelt.

Mit der Ausnahme der GFR, die infolge der Lebendspende abfällt (ebenso wie, wenn auch klinisch nicht relevant, der Hb-Wert), war der Gesundheitszustand besser als in der Kontrollgruppe, in der Alter, Geschlecht und ethnische Herkunft gleich verteilt waren. Das schließt dennoch einen Selektions-Bias durch die Voruntersuchungen zur Spende nicht aus.

Positiv vermerkt Ibrahim, dass es bei den Lebendspendern weder einen Hinweis auf einen beschleunigten Abfall der GFR gab, noch kam es zu einem stärkeren Anstieg der Hypertonien. Lediglich bei der Albuminurie gab es eine Zunahme.

Die Editorialisten Jane Tan und Glenn Chertow von der Stanford Universität in Palo Alto meinen, dass die Ergebnisse für eine vorsichtige Ausweitung der Lebendspende sprechen, sie raten jedoch zu weiteren Untersuchungen, um die Sicherheit in anderen Bevölkerungsgruppen zu untersuchen (NEJM 2009; 360: 522-523).

Zumindest in Minneapolis ist die Bereitschaft, eine Niere zu spenden, zu 62 Prozent auf Frauen und zu 99 Prozent auf Weiße beschränkt. © rme/arezteblatt.de 

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