Politik

Pflegesituation in Krankenhäusern offenbar deutlich verschlechtert

Freitag, 30. Januar 2009

Berlin – Nach Einschätzungen von Beschäftigten deutscher Krankenhäuser hat sich die Pflegesituation dort drastisch verschlechtert. In einer bundesweiten Online-Umfrage unter knapp 2.000 Pflegekräften bewerteten 82,5 Prozent die Personalausstattung ihrer Abteilung als nicht angemessen, berichtet der  Berliner Tagesspiegel vom Samstag. 42,5 Prozent der Befragten gaben an, sie wollten nicht, dass eigene Angehörige oder Bekannte dort versorgt würden.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, der die Umfrage initiiert hat, sprach von „katastrophalen Ergebnissen“ und der Bestätigung von „zum Teil haarsträubenden Arbeitsbedingungen“. Die Lage sei „sehr viel dramatischer als in der Bevölkerung bekannt“, sagte Verbandsreferentin Johanna Knüppel der Zeitung.
Die Arbeitsbelastung der Pflegekräfte in deutschen Kliniken sei fast doppelt so hoch wie in anderen Ländern, und die Organisationsabläufe seien derart schlecht, dass es „auch für Patienten gefährlich werden kann“.

Nach Ansicht von 69,2 Prozent der Befragten hat sich die Pflegequalität im vergangenen Jahr weiter verringert. Nur 4,1 Prozent sehen eine Verbesserung. Fast die Hälfte der Umfrageteilnehmer nimmt eigenen Angaben zufolge so gut wie nie die ihnen gesetzlich zustehende Pause in Anspruch.

Zwei von drei Pflegekräften gaben an, mindestens einmal pro Woche mit widersprüchlichen Arbeitsanweisungen konfrontiert zu werden. Und mehr als jeder dritte muss dem Bericht zufolge regelmäßig Aufgaben erledigen, für die er nicht qualifiziert ist. 

Im Schnitt betreut jede Pflegekraft pro Schicht demnach zwölf Patienten – eine nach Verbandsangaben im internationalen Vergleich sehr hohe Zahl. Schließlich habe sich der Betreuungsaufwand pro Patient deutlich erhöht – durch die kürzere Verweildauer ebenso wie durch die Tatsache, dass die Betreuten immer älter würden. 

Laut der Umfrage erwägen 43,5 Prozent der Pflegekräfte, ihren Arbeitsplatz zu wechseln. 31,2 Prozent möchten sogar ganz aus dem Beruf aussteigen. Diese Zahlen ließen nicht nur auf einen frustrierenden Arbeitsalltag schließen, sagte Knüppel. Sie seien "auch volkswirtschaftlich eine Katastrophe". Schließlich koste die Aus- und Fortbildung jeder examinierten Pflegekraft 140.000 Euro. © afp/aerzteblatt.de

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