Ausland

Komapatientin in Italien zum Sterben in neue Klinik verlegt

Dienstag, 3. Februar 2009

Rom – Die seit 17 Jahren im Koma liegende Italienerin Eluana Englaro ist nach langem Streit nun doch in eine Sterbeklinik verlegt worden, wo die Ärzte ihre Geräte abstellen wollen.

Die Patientin sei in der Nacht in einem Krankenwagen von ihrem bisherigen Krankenhaus bei Mailand in eine Klinik in Udine im Nordosten des Landes gebracht worden, berichtete am Dienstag die Nachrichtenagentur Ansa. Eine Gruppe von Demonstranten habe die Abfahrt von Englaro aus Lecco verhindern wollen und skandiert: „Eluana lebt. Tötet sie nicht!“

Englaro war 1992 nach einem Autounfall ins Koma gefallen und ist seitdem nicht wieder aufgewacht, ihr Leben hängt von Geräten ab. Ihr Fall bewegt ganz Italien. Während ihr Vater vor unzähligen Gerichten für Sterbehilfe kämpfte, ist vor allem die katholische Kirche erbittert dagegen.

Der Vorsitzende des päpstlichen Rates für Gesundheitsfragen des Vatikans, Javier Lozano Barragan, bekräftigte in der Dienstagsausgabe der Zeitung „Repubblica“ den Widerstand und sprach von einem geplanten „scheußlichen Mord“.

Der Fall weckte in Italien Erinnerungen an den Sterbehilfe-Vorkämpfer Piergiorgio Welby, der eine heftige Debatte um die Sterbehilfe ausgelöst hatte. Welby, der seit seinem 18. Lebensjahr an einer unheilbaren Krankheit litt und fast zehn Jahre lang durch künstliche Beatmung am Leben gehalten wurde, hatte vor Gericht vergeblich um sein Recht auf Sterbehilfe gekämpft.

Im Dezember 2006 verhalf ihm schließlich ein Arzt zum Tod und schaltete sein Beatmungsgerät ab. Im katholisch geprägten Italien sind sowohl aktive als auch passive Sterbehilfe verboten. 

Auch in Deutschland regte sich Widerstand gegen die Sterbehilfe. Der Fall Englaros sei mit dem Welbys nicht zu vergleichen, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Hospiz-Stiftung, Eugen Brysch. Während Welbys Wunsch klar gewesen sei, sei Englaros Wille nicht eindeutig ermittelt worden.

Ärzte und Pfleger müssten sich darum bemühen, "Leiden zu lindern und Leben zu stützen", solange ein Betroffener nicht in einer Patientenverfügung seinen Wunsch auf Sterbehilfe festgehalten habe.  

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"Ohne eine solche Patientenverfügung geraten Ärzte, Angehörige und Richter aber auch in Deutschland regelmäßig in das Dilemma, den mutmaßlichen Willen des Patienten ermitteln zu müssen", fügte Brysch hinzu. Bei der anstehenden gesetzlichen Regelung der Patientenverfügung müssten daher Regeln für die Ermittlung des Patientenwillens festlegt werden. © afp/aerzteblatt.de

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