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Hohes Strahlenrisiko der CT-Koronarangiografie

Mittwoch, 4. Februar 2009

München – Die Strahlenbelastung bei einer Darstellung der Koronarien mit modernen Computertomografen (CT-Koronarangiografie) ist 600-fach höher als bei einem Röntgenthorax. Dies ergab eine Studie des Deutschen Herzzentrums im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2009; 301: 500-507). Die Autoren fordern die Radiologen dringend auf, die Möglichkeiten einer Dosisminderung zu nutzen.

Die Entwicklung von Computertomografen, die pro Rotation 64 Schichten gleichzeitig aufnehmen, ermöglicht eine recht genaue Darstellung der Koronargefäße am schlagenden Herzen. Diese CT-Koronarangiografie wird, da sie nicht invasiv ist, zunehmend eingesetzt, um in kardialen Notfällen zu einer raschen Diagnose zu kommen.

Nicht invasiv ist in der Radiologie aber nicht gleichbedeutend mit nicht schädlich für den Patienten, und die ohnehin hohe Strahlendosis der Computertomografie könnte mit dem CT-Koronarangiografie eine neue Steigerung erfahren.

In der Prospective Multicenter Study On Radiation Dose Estimates Of Cardiac CT Angiography In Daily Practice I (PROTECTION I) wurde untersucht, wie hoch die Strahlenbelastung in der klinischen Anwendung der CT-Koronarangiografie tatsächlich ist.

Jörg Hausleiter vom Deutschen Herzzentrum in München und Mitarbeiter analysierten die Daten aus 50 Kliniken verschiedener Länder, die bereits Erfahrungen mit der CT-Koronarangiografie haben. Dabei wurde das Dosis-Längen-Produkt (dose-length product, DLP) als Maß der Strahlenbelastung verwendet.

Es ist das Produkt aus der applizierten Dosis (in mGy) und der Länge des Scans (in cm). Im Durchschnitt waren die 1.965 Teilnehmer einer DLP von 885 mGy x cm exponiert, was der Dosis von 600 Röntgenthoraxaufnahmen oder 1,2 abdominalen CT-Untersuchungen entspricht. Das zeigt erneut, wie hoch die Dosis beim „konventionellen“ CT sein kann. 885 mGy x cm entsprechen den Berechnungen Hausleiters zufolge einer Äquivalenzdosis von 12 mSv.

Die DLP und damit auch die Äquivalenzdosis schwankten von Patient zu Patient sehr stark. Einige Patienten wurden mit 5 mSv, andere mit 30 mSv belastet. Die Gründe für diese Schwankungen liefern gleichzeitig Empfehlungen, wie die Strahlendosis im Einzelfall niedrig gehalten werden kann.

Zu den empfohlenen Maßnahmen gehört die Verwendung einer EKG-gesteuerten Röhre, die das DLP um 25 Prozent senkte. Davon wurde in der Studie bei 73 Prozent der Patienten Gebrauch gemacht. Die Verwendung einer 100-kV-Röhrenspannung reduzierte das DLP um 46 Prozent, was bei 5 Prozent verwendet wird.

Ein sequenzielles Scannen senkte bei 6 Prozent der Patienten die DLP um 78 Prozent. Eine große Rolle spielt auch die verwendete Technik: Die Unterschiede zwischen den Geräten mit der höchsten und niedrigsten Dosis betrugen 97 Prozent. 

Andere Faktoren, welche die Strahlendosis ansteigen lassen, lassen sich vermutlich nicht abstellen. Dazu gehört das Körpergewicht der Patienten, das einen relativen Einfluss von 5 Prozent auf die DLP hatte, die Abwesenheit eines stabilen Sinusrhythmus (10 Prozent) und die Länge des Scans (pro cm steigt die DLP um 5 Prozent). © rme/aerzteblatt.de 

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