Unterschätzte RSV-Viren
Donnerstag, 5. Februar 2009
Rochester – Atemwegsinfektionen mit dem humanen respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) sind bei kleinen Kindern häufiger als allgemein angenommen. Nach den Ergebnissen einer bevölkerungsbasierten Studie an Kindern unter 5 Jahren im New England Journal of Medicine (2009; 360: 588-598) ist RSV für einem von 13 Arztbesuchen, einer von 38 Behandlungen auf einer Notfallambulanz und einer von 334 Hospitalisierungen verantwortlich.
RSV-Infektionen werden von Ärzten selten diagnostiziert. In der Studie, die Caroline Breese von der University in Rochester im US-Staat New York vorstellt, hatten die Mediziner nur in 3 Prozent der Fälle, in denen später im Labor RSV nachgewiesen wurde, die Diagnose einer RSV-Infektion gestellt.
Die Studie war im Rahmen des New Vaccine Surveillance Network der Centers for Disease Control and Prevention durchgeführt worden, die den Bedarf an Impfstoffen untersucht (einer für RSV wurde noch nicht entwickelt). An vier Orten in den USA wurden während der Wintermonate die Kliniken, Notfallambulanzen und Kinderarztpraxen gebeten, bei allen Kindern mit einer akuten respiratorischen Infektion einen Abstrich zu entnehmen.
In 919 von 5.067 (18 Prozent) der Fälle konnte RSV als Krankheitserreger nachgewiesen werden. Die meisten dieser Infektionen (73 Prozent) traten in Kinderarztpraxen auf, Notfallambulanzen (25 Prozent) werden seltener aufgesucht und Hospitalisierungen (3 Prozent) scheinen nur in Ausnahmefällen notwendig zu sein.
Dennoch sehen die Autoren einen klaren Bedarf für einen Impfstoff. Dass der Erreger sehr selten erkannt wird, dürfte daran liegen, dass sich die klinische Symptomatik kaum von denen anderer respiratorischer Erkrankungen unterscheidet und eine spezifische Therapie nicht existiert.
Im klinischen Alltag macht eine weitergehende Diagnostik keinen Sinn. Die Studie belegt allerdings eine hohe Public-Health-Bedeutung der Erkrankung. Breese schätzt, dass in den USA jährlich 2,1 Millionen Kinder unter 5 Jahren an RSV-Infektionen erkranken, von denen 78 Prozent älter als 12 Monate sind. RSV ist also keineswegs, auch dies eine verbreitete Ansicht, eine Erkrankung von Säuglingen. © rme/aerzteblatt.de
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