Brustkrebsrisiko der Hormonersatztherapie bestätigt
Freitag, 6. Februar 2009
Los Angeles – Nach dem Abbruch der klinischen Studie der Women's Health Initiative (WHI) hat sich das Brustkrebsrisiko der Frauen, die keine Hormonersatztherapie mehr erhielten, rasch normalisiert. Auch unter den Teilnehmerinnen der WHI-Beobachtungsstudie ist es seit 2002 zu einem Rückgang der Brustkrebserkrankungen gekommen.
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Dies zeigt eine Publikation im New England Journal of Medicine (2009 360: 573-587), die auch eine Verzerrung der Daten durch eine unterschiedliche Akzeptanz der Mammografie ausschließt.
Die WHI-Studie aus dem Jahr 2002 hat das Ende der früheren Hormonersatztherapie eingeläutet. In den USA fielen die Verordnungszahlen von 60 Millionen im Jahr 2001 auf 20 Millionen im Jahr 2005. Auch die Brustkrebsrate ist in den USA in den Folgejahren gesunken.
Dennoch wurde ein Zusammenhang von einigen Experten bezweifelt. Sie vermuteten, dass die veränderte Akzeptanz der Mammografie für den Rückgang der Brustkrebsinzidenz verantwortlich sei. Diesen Einwand kann die Nachbeobachtung der mehr als 15.000 Teilnehmerinnen der klinischen Studie jetzt entkräften.
Während der Studie waren alle Frauen angehalten worden, jährlich zur Mammografie zu gehen. Hieran hatte sich während der durchschnittlich 5,6 Jahre der Studie etwa vier von fünf Frauen gehalten (ohne Unterschiede zwischen Placebo- und Therapiearm der Studie).
Auch in den ersten 2,5 Jahren nach dem Abbruch der Studie, die Rowan Chlebowski von der Universität von Kalifornien in Los Angeles und Mitarbeiter jetzt ausgewertet haben, hat sich an dieser hohen Akzeptanz wenig geändert – wiederum ohne Unterschiede zwischen Frauen aus dem ehemaligen Placebo- und Therapiearm der Studie.
Die Studie dokumentiert außerdem ein über die Dauer der Hormoneinnahme linear ansteigendes Hormonrisiko: Je länger die Präparate mit 0,625 mg equines Estrogen plus 2,5 mg Medroxyprogesteron eingenommen wurde, desto mehr Mammakarzinome traten zusätzlich auf.
Die Hazard Ratio betrug am Ende 1,26 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,02-1,55). Nach dem Abbruch der Studie nahm das Risiko wiederum linear ab. Der Abfall war aber steiler als zuvor der Anstieg, und bereits nach 2,5 Jahren hatte sich das Risiko wieder normalisiert (Hazard Ratio 1,27 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,91-1,78).
Neben der placebokontrollierten Interventionsstudie begann 1994 eine WHI-Beobachtungsstudie. Hier wurde die Therapie nicht durch das Los bestimmt, die Frauen durften selbst entscheiden, ob sie eine Hormonersatztherapie wünschten oder nicht. Es wurde aber engmaschig kontrolliert, welche Auswirkungen die Hormoneinnahme hatte.
Zu Beginn der Studie hatten sich 40 Prozent der Frauen für die Hormone entschieden. Als die klinische WHI-Studie 2002 abgebrochen wurde, erhielten die Teilnehmerinnen ein Informationsschreiben zu den Ergebnissen. Es blieb ihnen aber weiter freigestellt, die Hormone einzunehmen.
Vor dem Jahr 2002 hatte die Inzidenzrate eines Mammakarzinoms bei den Frauen, die zu Beginn der Studie bereits Hormone eingenommen hatten, etwa doppelt so hoch gelegen wie bei den Frauen, die keine Einnahme von Hormonen angegeben hatten. Seit viele Frauen auf eine Hormontherapie verzichten, ist die Hazard Ratio gesunken, wenn auch nicht auf 1,0 (Nulleffekt), vermutlich weil einige Frauen weiterhin Hormone einnehmen.
So eindeutig diese Vorher-Nachher-Gegenüberstellung auch ausfallen mag, so überzeugt sie doch nicht alle Fachgesellschaften von einer Ursache-Wirkungsbeziehung. Der Präsident der International Menopause Society, David Sturdee, meinte gegenüber der Presse, der Rückgang der Brustkrebsinzidenz (in der Bevölkerung) habe doch schon vor dem Ende der WHI-Studie begonnen.
Er betrachtet ebenso wie Gwendolyn Fisher, eine Sprecherin der betroffenen Firma Wyeth (die das in der Studie verwendete Präparat vertreibt), eine Nachwirkung der guten Mammografie-Akzeptanz seit den 1990er-Jahren als Ursache des Brustkrebsrückgangs.
Sturdee hält es für biologisch nicht plausibel, dass die Krebsrate so schnell nach dem Absetzen der Hormone zurückgehen soll. Dahinter steht der Gedanke, dass zwischen der Entstehung eines Karzinoms und seiner Manifestation meistens mehrere Jahre liegen.
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