Ausland

Sterbehilfe für Komapatientin in Italien verzögert sich

Donnerstag, 5. Februar 2009

Rom – Kurz vor dem geplanten Abbruch der Ernährung zeichnet sich im Fall der italienischen Wachkomapatientin Eluana Englaro eine Wende ab. Nach Informationen der Tageszeitung „La Repubblica“ (Online-Ausgabe) will die Staatsanwaltschaft erneut Angehörige und Freunde der seit 17 Jahren bewusstlosen Frau befragen, um den Willen Englaros zu ermitteln.

Staatsanwalt Antonio Biancardi traf demnach am Donnerstag mit dem behandelnden Anästhesisten Amato De Monte und mit dem Anwalt der Familie Englaro, Giuseppe Campeis, in Udine zusammen. Nach bisheriger Planung sollte die Ernährung Englaros an diesem Freitag eingestellt werden. 

Unterdessen erwägt die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, per Eildekret einen im Parlament anhängigen Gesetzentwurf zur Sterbehilfe vorübergehend in Kraft zu setzen. Berlusconi sagte am Mittwochabend laut italienischem Fernsehen, man arbeite an einer entsprechenden Intervention.

Der Anwalt der Familie erklärte nach dem Treffen am Donnerstag, eine solche Maßnahme würde zur Fortsetzung der künstlichen Ernährung verpflichten und „alles blockieren“. Er könne die Ärzte nicht veranlassen, sich mit einem Abbruch der Ernährung strafbar zu machen, sagte Campeis der „Repubblica“. 

Die 38-jährige Englaro war am Dienstag in eine private Pflegeeinrichtung in Udine verlegt worden. Dort sollte sie nach dem Willen des Vaters und mit Billigung durch ein höchstrichterliches Urteil von ihrer Nasensonde abgehängt werden.

In den vergangenen Jahre hatte sie in einer katholischen Klinik in Lecco gelegen. Mehrere Regionalpräsidenten Norditaliens hatten einen Abbruch der Ernährung in staatlichen Kliniken verwehrt. Der Vatikan und italienische Kirchenvertreter warnten wiederholt vor einem solchen Schritt. So sprach Papst Benedikt XVI. von „Euthanasie“ und rief zur weiteren Versorgung der Koma-Patientin auf. 

Sowohl im Fernsehen als auch in der italienischen Presse nimmt die Berichterstattung über den „Fall Eluana“ seit Tagen deutlich mehr Raum ein als der Streit um die Traditionalistenbischöfe.  © kna/aerzteblatt.de

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