Ausland

Italiens Regierung untersagt Ernährungs-Abbruch bei Englaro

Freitag, 6. Februar 2009

Rom – In Italien verschärft sich das politische Tauziehen um die Wachkoma-Patientin Eluana Englaro. Staatspräsident Giorgio Napolitano verweigerte am Freitag seine Zustimmung zu einem Dekret, das einen noch im Parlament anhängigen Rechtstext über Sterbehilfe vorübergehend in Kraft setzen sollte.

Er erkenne in der Angelegenheit Englaro nicht die "Dringlichkeit", die die Verabschiedung einer Notverordnung rechtfertige, schrieb Napolitano vor seiner Entscheidung laut der Nachrichtenagentur Ansa in einem Brief an Berlusconi. Ein Gericht hatte Englaros Vater Beppino Englaro erlaubt, die Ernährung seiner heute 37-jährigen Tochter abbrechen zu lassen. Dazu wurde sie am Dienstag in eine Sterbeklinik in Udine verlegt.

Dennoch verabschiedete das Kabinett laut italienischen Medienberichten einen Erlass, das den Abbruch künstlicher Ernährung bei nicht entscheidungsfähigen Personen verbietet. Bei der seit 17 Jahren im Koma liegenden Englaro sollte vom Freitag an die Versorgung mit Nahrung und Wasser schrittweise eingestellt werden.

Dem Erlass zufolge, aus dem der der Sender „Rainews 24“ (Online-Dienst) zitiert, soll das Verbot so lange in Kraft bleiben, bis eine umfassende rechtliche Regelung zu Fragen des Lebensendes erzielt ist.

Der Kabinettsbeschluss sei nach intensiver Diskussion zustande gekommen. Für seine Initiative gegen das Votum des Staatspräsidenten machte Ministerpräsident Silvio Berlusconi Gewissensgründe geltend.

“Ich würde mich der unterlassenen Hilfeleistung gegenüber einer Person in Lebensgefahr schuldig fühlen“, sagte Berlusconi laut „Rainews 24“ vor Journalisten. © kna/afp/aerzteblatt.de
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