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Infertilität: Kein Ovarialkarzinom durch Hormonbehandlung

Freitag, 6. Februar 2009

Kopenhagen – Eine bevölkerungsbasierte Kohortenstudie aus Dänemark lässt jene Frauen aufatmen, die wegen eines Kinderwunsches mit Hormonen behandelt werden. Nach der Publikation im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2009; 338: b249) erhöht die Behandlung nicht das Risiko auf ein späteres Ovarialkarzinom. Für Clomifen sind die Daten jedoch nicht eindeutig.

Im letzten Jahr hatten Allan Jensen von der Dänischen Krebsgesellschaft in Kopenhagen und Mitarbeiter herausgefunden, dass die etwa 54.000 Frauen, die zwischen 1963 und 1998 in Dänemark wegen eines Kinderwunsches eine Fertilitätsklinik aufsuchten, im späteren Leben zu 46 Prozent häufiger an einem Ovarialkarzinom erkrankten (American Journal of Epidemiology 2008; 168: 49-57).

Dies muss nicht bedeuten, dass die hormonelle Behandlung in den Kliniken die Ursache der Krebserkrankungen ist. Die Kinderlosigkeit selbst ist nämlich ein Risikofaktor für den Eierstockkrebs. Dennoch bestand die Notwendigkeit, den Befund weiter abzuklären, zumal in den letzten Jahrzehnten immer wieder Studien publiziert wurden, die Clomifen und andere Hormone mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung brachten. 

Die Epidemiologen haben deshalb bei jenen 156 Frauen der Kohorte, die an einem Ovarialkarzinom erkrankt waren, sowie in einer Stichprobe von 1.360 Frauen der Gesamtgruppe die Klinikakten gesichtet, um zu sehen, ob diese Frauen überdurchschnittlich häufig eine hormonelle Behandlung erhalten hatten. Dies war für die Gonadotropine nicht der Fall.

Deren Einsatz war sogar mit einer tendenziell verminderten Rate von Ovarialkarzinomen assoziiert (Rate Ratio RR 0,83; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,50-1,37). Für Clomifen, das direkt zur Auslösung einer Ovulation eingesetzt wird, wurde dagegen ein tendenziell erhöhtes Eierstockkrebsrisiko gefunden (RR 1,14; 0,79-1,64). Für die serösen Ovarialkarzinome (Anteil etwa 40 Prozent aller Ovarialkarzinome) wurde sogar ein signifikant erhöhtes Risiko nach Gabe von Clomifen gefunden (RR 1,67; 1,07-2,61).

Bislang ist die Zahl der Krebserkrankungen sehr gering gewesen, da die meisten Frauen noch nicht das Manifestationsalter des Ovarialkarzinoms erreicht haben. Es kann deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Zahlen noch ändern. Die Forscher wollen ihre Auswertungen in Zukunft wiederholen.

Der Online-Dienst der bbc hat einige Repromediziner nach ihrer Einschätzung befragt. Alle zeigten sich von den Ergebnissen der „monumentalen Langzeitstudie“ erleichtert. Nur eine Vertreterin der US-National Cancer Instituts wunderte sich gegenüber der New York Times, wie die dänischen Forscher das erhöhte Risiko auf seröse Ovarialkarzinome nach Clomifen so einfach herunterspielen könnten. © rme/aerzteblatt.de

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