Ausland

Behörden überprüfen Klinik der italienischen Komapatientin

Montag, 9. Februar 2009

Rom – Die italienischen Behörden haben eine Untersuchung der Klinik angeordnet, in der die seit 17 Jahren im Koma liegende Eluana Englaro sterben soll. Vier von den Behörden bestellte Mediziner sollten am Montag die Klinik „La Quiete“ überprüfen, wie der Präsident der Region Friaul-Julisch-Venetien, Enzo Tondo, mitteilte.

dpa

Anzeige

Die Polizei habe bei einem Besuch am Wochenende „Unregelmäßigkeiten“ in der Verwaltung festgestellt. In einem Brief forderte Tondo die Klinikleitung auf, Englaros künstliche Ernährung wieder aufzunehmen, bis das Parlament über das Eilgesetz zur Sterbehilfe abgestimmt habe.

Die Anwälte von Englaros Familie kündigten Widerstand für den Fall an, dass die Regionalregierung die Klinik unter ihre direkte Verwaltung stellt, um Eluanas Sterben zu verhindern. Der Vater der heute 38-Jährigen kämpft seit Jahren vor Gericht um Sterbehilfe für seine Tochter, die 1992 nach einem Unfall ins Koma gefallen war.

Ende Januar hob der Mailänder Verwaltungsgerichthof einen Verwaltungsbescheid auf, der dem Pflegepersonal die Beendigung der künstlichen Ernährung Eluanas verboten hatte.

Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi will den Abbruch der künstlichen Ernährung für die Frau per Notverordnung untersagen. Der Senat sollte deshalb am Montagabend über den entsprechenden Gesetzentwurf beraten, eine Abstimmung wird am Dienstag erwartet. Am Mittwoch würde dann das Abgeordnetenhaus beraten.

Berlusconis Regierung verfügt in beiden Parlamentskammern über bequeme Mehrheiten. Es ist aber unklar, ob das Gesetz rechtzeitig kommt, um Englaros Tod zu verhindern.

Die Ärzte hatten nach eigenen Angaben am Freitag die künstliche Ernährung der Frau gestoppt. Auch ohne Nahrung und Flüssigkeit könne die Patientin noch „12 bis 14 Tage“ leben, sagte der sie behandelnde Neurologe Carlo Alberto Defanti dem „Corriere della Sera“. Sie sei körperlich in exzellenter Verfassung. In der ersten Woche sei keine Veränderung ihres Zustands zu erwarten.

Der Mediziner verteidigte die Entscheidung, Englaro zum Sterben zu verhelfen: „Ich helfe einer Frau bei der Erfüllung ihres eigenen Wunsches, einer Frau, die von allen verraten wurde außer ihrem Vater und wenigen anderen.“ Vor ihrem Unfall hatte Eluana nach Angaben von Freunden und Angehörigen betont, dass sie im Fall eines Komas sterben wolle.

Englaros Schicksal spaltet das stark katholisch geprägte Italien: Nach einer vom „Corriere della Sera“ veröffentlichten Umfrage sind 47 Prozent der Bürger dafür, Eluana sterben zu lassen. 47 Prozent sind dagegen. Sterbehilfe ist in Italien verboten. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

4.343 News Ausland

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige