Pionier des künstlichen Organersatzes Kolff stirbt mit 97 Jahren
Montag, 16. Februar 2009
Salt Lake City – Willem J. Kolff, der Erfinder der ersten künstlichen Niere, Gründer der ersten Blutbank in Europa, Ingenieur einer Herz-Lungen-Maschine und Mitentwickler des ersten brauchbaren Kunstherzen, ist im Alter von 97 Jahren in Salt Lake City gestorben, wie die Universität mitteilt.
Berühmt wurde Willem Kolff, der am 14. Februar 1911 in Leiden geboren wurde, durch seine Trommelniere, die der junge Arzt und Erfinder im 2. Weltkrieg entwickelte (und ebenso wie die erste Blutbank in Europa vor den deutschen Aggressoren geheim hielt).
Die Trommelniere bestand aus einer Wanne, in der sich – vergleichbar einer Waschmaschine, aber deutlich größer – eine hölzerne Trommel in einer Dialysatflüssigkeit drehte. Die Trommel war umwickelt mit 30 bis 40 Meter Zellophanschlauch, der ursprünglich als Kunstdarm für Würste entwickelt worden war. Durch den Darm wurde das Blut geleitet, während sich die Trommel drehte.
Um ein Verdrehen der blutzuführenden Schläuche zu verhindern, verwendete Kolff ein „Split-coupling-System“, das einem Bauteil eines Automotor nachempfunden war. Die ersten 15 Patienten starben, doch dann überlebte eine 67-jährige Frau, die aufgrund eines akuten Nierenversagens in ein Koma gefallen war. Dies war 1945. Zwei Jahre später stellte Kolff das Gerät staunenden US-amerikanischen Ärzten vor. Später sollte die erste künstliche Niere im Korea-Krieg Verwendung finden.
1950 emigrierte Kolff in die USA, wo er zunächst sein medizinisches Examen wiederholen musste. Dann war er an der Cleveland Clinic Foundation tätig, an der er eine Herz-Lungen-Maschine entwickelte. 1967 wechselte er zur Universität von Utah in Salt Lake City, wo er wie zuvor in Cleveland die Abteilung für künstliche Organe leitete.
Wenig bekannt ist, dass Kolff an der Entwicklung von Jarvik-7 beteiligt war, dem ersten funktionsfähigen Kunstherz, das 1982 das Leben des Zahnarztes Barney Clark um 112 Tage verlängerte.
Es verwundert nicht, dass Kolff später zum Gründungsmitglied der American Society of Artificial Internal Organs wurde. Während seiner Laufbahn erhielt er 12 Ehrendoktortitel und mehr als 120 internationale Auszeichnungen, zuletzt 2002 den Albert Lasker Award for Clinical Medical Research, der auch als Vorzimmer zum Nobelpreis bezeichnet wird. Für diese Ehrung wurde er dann nicht alt genug. © rme/aerzteblatt.de
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