Amsterdam – Der als Antihypertonikum eingesetzte Betablocker Propanolol hat in einem Experiment klinischer Psychologen in Nature Neuroscience (2009: doi:10.1038/nn.2271) verhindert, dass sich schmerzhafte Erinnerungen im Gehirn festsetzen. Die Befunde könnten für Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTSD) oder Phobien interessant sein.
Die meisten Menschen erinnern sich bevorzugt an Ereignisse, die mit Stresssituationen verbunden waren. Bei älteren Menschen sind dies Kriegsszenen, bei jüngeren vielleicht Unfälle oder andere Lebenskrisen oder einfach nur besondere Schrecksituationen, wie der unverhoffte Anblick von Spinnen.
Die Psychologen vermuten, dass das Stresshormon Adrenalin die Fixierung im Gedächtnis, die Konsolidierung, fördert, die häufig im auf das Ereignis folgenden Schlaf erfolgt. Manche Erlebnisse sind so negativ besetzt, dass das Erinnern erneut eine Stressreaktion auslöst.
Diese „Rekonsolidierung“ verfestigt die unerwünschte Erinnerung. Die Folge kann nach echten Traumata ein PTSD sein oder nach schreckhaften, aber ungefährlichen Erlebnissen eine Phobie.
Die Psychologin Merel Kindt von der Universität Amsterdam hat aus diesen pathogenetischen Überlegungen heraus eine Therapie abgeleitet, die sie in einem Experiment untersucht hat. Zunächst wurden einige Probanden auf eine Spinnenphobie konditioniert.
Dazu wurde ihnen immer dann ein harmloser, aber unangenehmer Stromschlag versetzt, wenn sie Bilder von besonders furchterregenden Exemplaren der langfüßigen Spinnentiere betrachteten.
Während dieser Phase der Konsolidierung erhielten die Probanden keine Medikamente. Am nächsten Tag wurden ihnen die gleichen Bilder noch einmal gezeigt. An der Mimik der Augenbewegungen konnten die Forscher ablesen, dass die Stromstöße die Konsolidierung der Erinnerung gefördert hatten.
Vor dem erneuten Betrachten der Bilder hatte ein Teil der Probanden eine Tablette mit Propanolol, die anderen ein Placebo erhalten. Beide Gruppen zeigten keine Unterschiede in der Mimik der Augenbewegungen, mit der die Forscher die Angstreaktion registrierten. Dies war auch nicht zu erwarten, denn die Phase der Gedächtniskonsolidierung war in beiden Gruppen gleich gewesen.
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