Medizin

Gentherapie der Mukoviszidose rückt einen Schritt näher

Dienstag, 17. Februar 2009

Berkeley – US-Forscher haben ein wichtiges Hindernis für eine Gentherapie der Mukoviszidose überwunden, Es besteht in der Kurzlebigkeit der Adenoviren, die das korrekte Gen in die Atemwegsepithelien schleusen sollen. In Großbritannien hat unabhängig davon eine erste Studie am Menschen begonnen. 

Als 1989 ein Gendefekt im CFTR-Gen (cystic fibrosis transmembrane conductance regulator) als Ursache der Mukoviszidose erkannt wurde, schien eine Gentherapie in Reichweite zu sein.

Diese würde darin bestehen, die Epithelzellen der Atemwege mit der korrekten Version des CFTR-Gens auszustatten, um die chronische Lungenerkrankung, die für die Prognose der Patienten entscheidend ist, zu bessern. Die Atemwege schienen für eine Gentherapie besonders leicht zugänglich zu sein. 

Doch die Schwierigkeiten waren größer als erwartet. Die Natur hat die Atemwege nämlich mit effizienten Abwehrmechanismen ausgestattet, die alle bisherige Versuche einer Gentherapie zum Scheitern verurteilten, wie das UK Cystic Fibrosis Gene Therapy Consortium auf ihrer Webseite berichtet.

Das erste Hindernis ist die Mukusbarriere, die sich bisher für Liposomen als undurchdringbar erwiesen hat. Liposomen sind ein bevorzugtes Vehikel, um das Gen in die Zelle zu befördern. Die andere Genfähre sind adenoassoziierte Viren (AAV).

Diese Viren gelten als harmlos, weil das Immunsystem sie rasch eliminiert. Genau dies hat sich bei den ersten Versuchen als ein kaum zu überwindendes Hindernis erwiesen. Die meisten Viren wurden von den Immunzellen zerstört, bevor sie ihre Genlast in den Epithelzellen abladen konnten. 

Die Effizienz der Gentherapie war enttäuschend. Das Team um David Schaffer von der Universität von Kalifornien in Berkeley bemüht sich deshalb darum, ein AAV zu finden, das nicht so schnell vom Immunsystem erkannt wird und deshalb eine größere Anzahl von Atemwegszellen mit dem CFTR-Gene ausstatten könnte.

Glaubt man dem jüngsten Bericht in den Proceedings of the National Academy of Sciences (Online), dann scheint dieses Kunststück nun gelungen zu sein. Das neue Virus bindet gleichzeitig an mehreren Rezeptoren auf den Epithelzellen. Die Fähigkeit der AAV, in die Zellen einzudringen, scheint deutlich gesteigert worden zu sein.

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In menschlichen Lungenzellkulturen soll die Gentherapie die Funktion des Chloridkanals, dessen Ausfall für die extreme Zähflüssigkeit der Atemwegssekrete bei der Mukoviszidose verantwortlich ist, vollkommen wiederhergestellt haben. Bei früheren Gentherapien war dies nur teilweise gelungen. Ob und wann die US-Forscher ihre neue Gentherapie an Patienten erproben wollen, ist offen. 

Die britischen Forscher scheinen hier einen Schritt weiter zu sein. In diesem Monat begannen sie eine erste klinische Studie, in der die Patienten allerdings nur eine einzelne Dosis der Gentherapie erhalten. Ziel der Studie ist die Sicherheit der Gentherapie.

Eine Auswirkung auf die Lungenfunktion erwarten die Forscher von einer einzelnen Behandlung nicht. Die Effektivität der Gentherapie wird Gegenstand einer Multi-Dose-Studie sein, die nach Angabe der britischen Forscher im nächsten Jahr beginnen soll. Mit Ergebnissen ist wohl frühesten in einigen Jahren zu rechnen. © rme/aerzteblatt.de

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