Medizin

Stammzelltherapie löst Tumore aus

Mittwoch, 18. Februar 2009

dpa

Tel Aviv – Die Befürchtung, dass Stammzelltherapien ein Tumorwachstum induzieren könnten, ist keine theoretische Möglichkeit mehr. In PLoS Med (2009; 6(2): e1000029) beschreiben Mediziner aus Israel den Fall einer Kindes, das vier Jahre nach einer Stammzellbehandlung in Moskau multiple Tumore im Zentralnervensystem (ZNS) entwickelte.

Der Patient, ein heute 17-jähriger Teenager, leidet an einer Ataxia telangiectasia, einer autosomal rezessiven Erkrankung, die mit einer Kleinhirnatrophie (Symptom: Ataxie) und Erweiterungen der kleinen Arterien (Teleangiektasien) im Gesichtsbereich und der Konjunktiva einhergeht. Die ersten Symptome treten im Kleinkindesalter auf.

Die offenbar verzweifelten Eltern suchten eine (in der Studie nicht näher benannte) Klinik in Moskau auf, die eine Heilung durch eine Stammzelltherapie versprach. Im Alter von 9, 10 und 12 Jahren wurden dem Kind fetale Stammzellen in Gehirn und Rückenmark injiziert.

Im Februar 2005, das Kind war jetzt 13 Jahre alt, wandten sich die Eltern an das Sheba Medical Center in Tel Aviv. Die Ärzte dort entdeckten in der Kernspintomografie zwei ZNS-Tumore, von denen einer – im Bereich der Cauda equina lokalisiert – im September 2006, nachdem sie sich weiter vergrößert hatten, chirurgisch entfernt wurde.

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Wie die Gruppe um Gideon Rechavi vom Sheba Medical Center jetzt berichtet, handelte es sich histologisch um einen gutartigen glioneuronalen Tumor. Theoretisch hätte er auch eine Folge der Grunderkrankung sein können, da die Ataxia telangiectasia mit einem erhöhten Tumorrisiko einhergeht.

Die nähere genetische Analyse der Tumorzellen schloss dies jedoch aus. Die Forscher sind sich sicher, dass der Tumor aus den transplantierten fetalen Stammzellen entstanden ist. Sie fanden Spuren von mindestens zwei unterschiedlichen Spendern.

Obwohl die Therapie ganz offensichtlich ohne die Genehmigung von Arzneibehörden und im Randbereich wissenschaftlicher Seriosität erfolgte, dürfte der Fallbericht unter Stammzellforschern für eine gewisse Unruhe sorgen. Die Induktion eines Tumorwachstums gehört zu den am meisten gefürchteten Komplikationen einer Therapie mit Stammzellen. Die Publikation zeigt nun, dass die Bedenken nicht ganz unbegründet sind. 

In den letzten drei Monaten haben gleich drei Firmen von den Aufsichtsbehörden in den USA (FDA) und Großbritannien (Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency) die Erlaubnis für klinische Studien erhalten, in denen Stammzellen in das Zentralnervensystem eingebracht werden.

Geron aus Menlo Park in Kalifornien will Querschnittslähmungen durch Injektion embryonaler Stammzellen in das Rückenmark behandeln. StemCells aus Palo Alto will das Pelizaeus-Merzbacher-Syndrom, eine tödliche Hirnerkrankung, therapieren, während ReNeuron aus Guildford in England eine Studie an Schlaganfallpatienten vorbereitet. © rme/aerzteblatt.de

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