Medizin

Alkohol erhöht Krebsrisiko von Frauen

Mittwoch, 25. Februar 2009

Oxford – Bereits ein alkoholisches Getränk am Tag erhöht bei Frauen das Krebsrisiko. Ethanol begünstigt nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2009; 101: 296-305) neben dem Brustkrebs auch Malignome in Darm, Leber und im Kopf-Hals-Bereich (hier nur als Kofaktor zum Rauchen). Es gibt jedoch auch Krebserkrankungen, denen durch Alkohol vorgebeugt werden könnte.

Die britische Million Women Study wurde über die Grenzen des Landes hinaus bekannt, weil sie wie die amerikanische Women's Health Initiative auf die Risiken der Hormonersatztherapie hingewiesen hatte.

Jetzt hat Naomi Allen von der Universität Oxford die Angaben, welche die 1.280.296 Britinnen mittleren Alters zwischen 1996 und 2001 zu ihren Lebensgewohnheiten machten, mit der Häufigkeit von späteren Krebserkrankungen (68.775 Fälle nach 7,2 Jahren) in Beziehung gesetzt, um dem Einfluss des Alkoholkonsums auf das Krebsrisiko zu untersuchen.

Für das Mammakarzinom ist eine solche Assoziation bekannt, und die aktuellen Ergebnisse bestätigen sie: Pro alkoholischem Getränk am Tag (10 Gramm reiner Alkohol) steigt das Risiko um relativ 12 Prozent. Das erscheint wenig, da aber das Mammakarzinom sehr häufig ist und drei Viertel aller Britinnen bekundeten, täglich Alkohol zu trinken, könnten in Großbritannien jedes Jahr 5.000 Frauen allein aufgrund des Alkoholkonsums am Brustkrebs erkranken, wie Cancer UK ausgerechnet hat.

Hinzu kommen 500 Darmkrebserkrankungen (das Risiko auf ein Rektumkarzinom steigt pro 10 Gramm Alkohol/Tag um 10 Prozent), 250 Leberkrebserkrankungen (das Risiko steigt um 24 Prozent pro 10 Gramm Alkohol/Tag) und 1.200 Karzinome im Mund oder Rachen (plus 29 Prozent), Kehlkopf (plus 44 Prozent) oder Ösophagus (plus 22 Prozent). Die zuletzt genannten Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich und Ösophagus treten unter dem Alkoholeinfluss aber nur vermehrt auf, wenn die Frauen auch rauchen.

Die Experten vermuten, dass Alkohol die lokale Resorption der im Tabakrauch enthaltenen Karzinogene steigert. An allen Orten des Körpers kommt es zu einer schädlichen Wirkung des Ethanolmetaboliten Acetaldehyd. Diese toxische Substanz ist nicht nur für den „Kater” verantwortlich, sie kann auch die DNA schädigen, beziehungsweise deren Reparatur behindern.

Alkohol steigert außerdem die Konzentration einiger Hormone im Blut, zu denen neben Östrogen (Brustkrebsrisiko) auch Testosteron und Insulin gehören, die ebenfalls mit Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden. Schließlich schädigt Alkohol auch die Leberzellen, was die erhöhte Rate von Leberkrebs erklärt.

Weniger klar ist, warum der Alkoholkonsum bei einigen Krebserkrankungen mit niedrigeren Erkrankungszahlen assoziiert war. Diese „protektive” Wirkung war bereits in früheren Studien aufgefallen. Die Million Women Study bestätigt, dass ein milder Alkoholkonsum die Zahl von Karzinomen in der Niere und in der Schilddrüse senkt. Auch das Non-Hodgkin-Lymphom tritt bei Frauen, die Alkohol trinken, seltener auf.

Unter dem Strich gibt es für Cancer UK keinen Grund, den Frauen grundsätzlich von einem moderaten Alkoholkonsum abzuraten. Sie sollten sich aber bewusst sein, dass der Alkoholkonsum auch aus onkologischer Perspektive nicht ohne Risiken sei. 

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Die Art der alkoholischen Getränke hatte übrigens keinen Einfluss auf das Krebsrisiko, ganz im Gegensatz zu den gesicherten protektiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Die Tatsache, dass die Rotwein trinkenden Franzosen trotz höherer Cholesterinwerte seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben als die Amerikaner, wird jenseits des Atlantiks als „French Paradox” bezeichnet.

Für die Editorialisten Michael Lauer und Paul Sorlie vom US-National Heart, Lung, and Blood Institute in Bethesda ist die Million Women Study deshalb ein willkommener Anlass, darauf hinzuweisen, dass die Nachteile (beim Krebs) die Vorteile (bei Herz und Kreislauf) wohl doch mehr als aufwiegen würden.

Es gebe keinen Alkoholkonsum, der als sicher betrachtet werden könne, schreiben die Editorialisten aus einem Land mit einer starken (nachwirkenden) prohibitiven Tradition im Umgang mit alkoholischen Getränken (JNCI 2009; 101: 282–283). © rme/aerzteblatt.de

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