Debatte um Verteilung von Spenderorganen in Großbritannien
Mittwoch, 25. Februar 2009
London – Neue Ethik-Debatte in Großbritannien über die Rationierung von Gesundheitsleistungen. Auslöser sind Äußerungen eines bekannten Medizinethikers, der jetzt anregte, Lebertransplantationen vornehmlich solchen Patienten anzubieten, die nicht übermäßig viel Alkohol trinken. Patientenverbände laufen Sturm.
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Wie aus aktuellen Zahlen des Londoner Gesundheitsministeriums hervor geht, stieg die Zahl der Lebertransplantationen für Alkohol trinkende Patienten in den vergangenen zehn Jahren um 60 Prozent. Zugleich warten immer mehr britische Patienten auf eine Spenderleber. Im Dezember 2008 warteten laut Gesundheitsminister Alan Johnson in Großbritannien 325 Patienten auf eine Spenderleber. Vor zehn Jahren waren es 180 Patienten.
Zwischen März 2007 und März 2008 wurden im staatlichen britischen Gesundheitsdienst (National Health Service) laut Gesundheitsministerium 623 Lebern transplantiert. 151 dieser Spenderorgane gingen an Patienten, deren Alkoholkonsum von den behandelnden Ärzten als „gefährlich“ eingestuft wurde. Damit gingen rund 23 Prozent der Transplantationen an Patienten mit Alkoholproblemen. Vor einigen Jahren lag dieser Prozentsatz laut Tony Calland noch bei 14 Prozent.
Calland, der beim britischen Ärztebund (British Medical Association) für Ethikfragen zuständig ist, sagte, britische Ärzten hätten „sehr wohl das Recht und die Pflicht“, zu überlegen, welche Patienten eine Spenderleber erhalten sollten und welche nicht. „Ärzte haben das Recht, Patienten für eine Transplantation abzulehnen, wenn sie nicht bereit oder fähig sind, mit dem trinken aufzuhören.“
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