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Prostatakarzinom: US-Leitlinien empfehlen 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren zur Primärprävention

Donnerstag, 26. Februar 2009

Alexandria – Fast sechs Jahre nach der Publikation einer maßgeblichen Studie haben sich die American Society of Clinical Oncology und die American Urological Association durchgerungen, gesunden älteren Männern die Einnahme von 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren (5-ARI) nahezulegen, um einem Prostatakarzinom vorzubeugen. Die Empfehlung im Journal of Urology (2009; 181: 1642-1657) stellt die Männer jedoch vor eine schwierige Entscheidung.

Im Juli 2003 hatte das US-National Institute die Ergebnisse des Prostate Cancer Prevention Trial veröffentlicht (NEJM 2003; 349: 215-224). An der Studie hatten 18.882 Männer im Alter über 55 Jahr mit normalem rektalen Tastbefund und einem PSA-Wert von 3,0ng/ml oder weniger teilgenommen. Sie waren über 7 Jahre mit Finasterid (5 mg/die) oder Placebo behandelt worden.

Während dieser Zeit wurde bei 18,4 Prozent im Verumarm und bei 24,4 Prozent im Placebo-Arm ein Prostatakarzinom diagnostiziert. Diese primärpräventive Wirkung des 5-ARI war jedoch nur eine Seite der Medaille. Die andere war ein Anstieg der Karzinome mit einem prognostisch ungünstigen Gleason-Score sowie eine Reihe von negativen Auswirkungen des Medikaments auf die Potenz: Erektile Dysfunktion, Libidoverlust, Gynäkomastie sind eine direkte Folge der Ausschaltung der 5-alpha-Reduktase, die im Körper das Sexualhormon Testosteron in das biologisch wirksamere Dihydrotestosteron umwandelt.

Gleichzeitig besserten sich bei einigen Patienten die Probleme beim Urinieren, die sich aus einer benignen Vergrößerung der Prostata ergeben. Die benigne Prostatahyperplasie ist eine medizinisch anerkannte Indikation für Finasterid und eine Reihe weiterer 5-ARI, die in den letzten Jahren zugelassen wurden.

Das 15-köpfige Team aus Urologen und Onkologen, von denen vier finanzielle Interessenkonflikte mit den Herstellern von 5-ARI angaben, hatte zwischen diesen Vor- und Nachteilen abzuwägen. Die Leitlinie stützt sich zwar auf 15 Studien, von denen der Prostate Cancer Prevention Trial aber mit Abstand der größte und einflussreichste war.

Dass die Autoren um Barnett Kramer, einem Präventivmediziner an den US-National Institutes of Health in Bethesda jetzt zu einer Empfehlung kommen, wird darauf zurückgeführt, dass viele Experten die Zunahme der prognostisch ungünstigen Prostatakarzinome inzwischen für ein statistisches Artefakt halten.
Die Indikation zur Primärprävention des Prostatakarzinoms entspricht im Wesentlichen den Einschlusskriterien des Prostate Cancer Prevention Trial (asymptomatische Männer mit einem PSA von 3 oder niedriger, die sich bereits einem jährlichen PSA-Screening unterziehen oder dies vorhaben).

Sie müssen dabei abwägen zwischen der geringen Chance, dass bei Ihnen ein Prostatakarzinom verhindert wird (Number Needed to Treat: 17 Männer müssen 7 Jahre behandelt werden, um ein Karzinom zu verhindern) und der Aussicht, dass die Einnahme des Medikamente während dieser Zeit ihr Sexualleben beeinträchtigt. Patienten, die bereits wegen einer benignen Prostatahyperplasie erhalten, dürfen die US-Ärzte die Krebschemoprävention als eine Zusatznutzen nennen. © rme/aerzteblatt.de

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