Eingeloggt als

Suchen in

6.832 News Medizin

Medizin

Diät: Einzig die Kalorien­menge entscheidet über den Erfolg

Mittwoch, 4. März 2009

pa
Bethesda – Das Erfolgsrezept von Diäten zur Gewichtsreduktion ist einfach, aber brutal: Was zählt, ist einzig die Einschränkung der zugeführten Kalorien. Die Zusammensetzung aus Fetten, Kohlenhydraten oder Proteinen spielt nach den Ergebnissen der bisher größten langfristigen Diätstudie im New England Journal of Medicine (2009; 360: 859-873) keine Rolle.

An der Preventing Overweight Using Novel Dietary Strategies oder „POUNDS LOST“-Studie hatten 811 Männer und Frauen im Alter um die 50 Jahre teilgenommen, deren Gewichtsproblem sich über die Jahre zu einer behandlungsbedürftigen Adipositas (BMI-Durchschnitt in der Studie: 33) ausgewachsen hatten.

An Diätempfehlungen besteht zwar kein Mangel, und nicht nur in den USA scheinen viele Menschen geradezu besessen von der Idee, es müsste doch eine Diät geben, bei der sie abnehmen, ohne zu hungern. Die bekanntesten Modediäten sind die Atkin-Diät, die den Anteil der Kohlenhydrate senkt, die Ornish-Diät, die Fette vermeidet, und die mediterrane Kost, die den Anteil der tierischen Proteine senkt.

Diese Diäten wurden nicht explizit in der Studie untersucht. Es gab aber vier Arme, in denen der Anteil der drei Hauptbestandteile der Nahrung in ähnlicher Weise modifiziert wurde: In einem “Low-fat, average protein”-Arm wurde der Fettgehalt auf 20 Prozent reduziert, im “Low-fat, high protein”-Arm wurde gleichzeitig der Anteil der Proteine auf 25 Prozent erhöht. Im ”High-fat, average protein”-Arm durften die Teilnehmer bis zu 40 Prozent der Energie über Fette zu sich nehmen, im “High-fat, high-protein”-Arm mussten sie stark auf Kohlenhydrate (Anteil 35 Prozent) verzichten.

Gemeinsam war allen Diäten, dass sie die Gesamtenergiezufuhr um 750 kcal reduzierten (aber nur bis zur unteren Grenze einer Gesamtzufuhr von 1200 kcal pro Tag), dass die Diät den Regeln einer herzschonenden Kost (wenig gesättigte Fettsäuren, wenig Cholesterin, hoher Faseranteil) folgte und dass jede Diät einen Bewegungsanteil (90 Minuten Sport pro Woche) hatte.

Im Unterschied zu den meisten früheren Studien wurden die Patienten über 2 Jahre beobachtet. Dies ist wichtig, weil die Erfahrung zeigt, dass – gerade bei den Modediäten – die Begeisterung doch nach einiger Zeit nachlässt und die Teilnehmer, nachdem sie zunächst gute Erfolge erzielten, am Ende oft wieder zunehmen.

Dies zeigen auch die jetzt von Frank Sacks von der Harvard School of Public Health in Boston und Mitarbeitern mitgeteilten Ergebnisse von POUNDS LOST:  Nach 6 Monaten hatten die Teilnehmer in allen Gruppen 6 Kilogramm an Gewicht verloren, was 7 Prozent des Körpergewichts entspricht und die Erwartungen von Sacks in etwa erfüllte.

Nach 2 Jahren hatten die meisten jedoch wieder einige “lost pounds” zugelegt, und der Gewinn gegenüber dem Ausgangsgewicht betrug nur noch 4 kg und das auch nur bei jenen 80 Prozent der Teilnehmer, die bis zum Ende durchhielten, was aber eine sehr gute Adhärenz ist. Immerhin 14 bis 15 Prozent der Diätwilligen hatten ihr Körpergewicht um 10 Prozent reduziert, was aus Sicht der Experten ein wünschenswertes Ziel ist.

Dass sich die Diäten auch aus medizinischer Sicht lohnen, zeigen die Ergebnisse zu den kardiovaskulären Risikofaktoren, wobei es hier durchaus Unterschiede unter den vier Diäten gab. Nach zwei Jahren hatte die “low-fat”-Diät das LDL-Cholesterin um 5 Prozent gesenkt, “High-Fat”-Diäten dagegen nur um ein Prozent. Die Diäten mit dem höchsten Kohlenhydratanteil senkten das LDL-Cholesterin um 6 Prozent gegenüber einem Prozent bei den Diäten mit dem niedrigsten Kohlenhydratanteil.

Doch die Einschränkung bei der  Kohlenhydratzufuhr steigerte den HDL-Cholesterin besser: 9 Prozent versus 6 Prozent bei der höchsten Zufuhr. Alle Diäten senkten die Triglyzeridwerte um 12 bis 17 Prozent. Mit Ausnahme der Diät mit der höchsten Kohlenhydratzufuhr senkten alle Diäten die Insulinkonzentration im Blut (Nüchternwert): Die Auswirkung war aber bei der “high-protein”-Diät besser als bei “low-protein”-Diät (10 vs. 4 Prozent. Der Blutdruck sank um 1 bis 2 mm Hg ohne Unterschiede in den einzelnen Gruppen. 

Ob sich hieraus Vorteile der einen oder anderen Diät ablassen lassen, mag unter Experten diskutiert werden. Erfreulich bleibt, dass in allen Gruppen der Anteil der Patienten mit einem metabolischen Syndrom von 32 Prozent zu Beginn der Studie auf 19 bis 22 Prozent nach zwei Jahren gesenkt werden konnte. Für die Beratung könnten man die Konsequenz ableiten, dass dem Patienten die Wahl der Diät überlassen bleiben kann, solange er sich an die Kalorienreduktion hält und eine herzschonende Kost bevorzugt. © rme/aerzteblatt.de 

Anzeige
Drucken Versenden Teilen
6.832 News Medizin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste